Auf Wellen jagen

Etymologische Streifzüge, Foto: Glenda M. Powers

Etymologische Streifzüge
(Foto: © Glenda M. Powers)

Wenn ich Romane bearbeite, in denen größere Boote eine Rolle spielen, ist oftmals von Yachten die Rede. Wie die Seemänner verwenden die Autoren dann einen Begriff, der sich ans englische yacht anlehnt, das wiederum dem älteren niederländischen Begriff jaght[e] entlehnt ist.

Seit dem 16. Jahrhundert im Deutschen bezeugt ist dagegen das Wort Jacht, eine Kurzform von Jachtschiff oder auch Jag[e]schiff. Wenn dir dabei das Verb jagen einfällt, liegst du ganz richtig. Eine Jacht ist also ursprünglich ein „Schnellschiff“ oder ein „Verfolgungsschiff“.

Quelle: Duden Band 7 – Herkunftswörterbuch, Mannheim 2001

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Der Hintern des Psychiaters

Etymologische Streifzüge, Foto: Glenda M. Powers

Etymologische Streifzüge
(Foto: © Glenda M. Powers)

Wo kommt es eigentlich her, das -iater im Psychiater, das beispielsweise auch beim Fußchirurgen, dem sogenannten Podiater, zu finden ist? Es ist eine Entlehnung aus griechisch iatrôs „Arzt“. Und das passt schon deshalb so gut, weil dieses Suffix im Arzt selbst steckt. Arzt ist nämlich ein Lehnwort, das vom spätlateinischen archiater und dem griechischen archiatrôs abstammt, was so viel wie „Erzarzt“, „Oberarzt“ bedeutet.

Quelle: Duden Band 7 – Herkunftswörterbuch, Mannheim 2001

Aufgehalst

Etymologische Streifzüge, Foto: Glenda M. Powers

Etymologische Streifzüge
(Foto: © Glenda M. Powers)

Na, da habe ich mir ja was aufgehalst. Jetzt habe ich den Typen wohl ewig am Hals.

Wieso ausgerechnet am oder auf dem Hals? Das lässt sich leicht nachvollziehen, wenn man weiß, dass sich diese Redewendungen darauf beziehen, dass das Joch – sowohl das Zugjoch als auch das Tragjoch – auf dem Hals bzw. Nacken sitzt. Man hat also eine schwere Last am/auf dem Hals.

Quelle: Duden Band 7 – Herkunftswörterbuch, Mannheim 2001

Unerwünschter Besuch

Etymologische Streifzüge, Foto: Glenda M. Powers

© Glenda M. Powers

Das Schlimmste an seinem Job war, dass ihm seine zänkische Kollegin immer wieder ins Gehege kam.

Obwohl die beiden Personen in dem Beispiel ganz offensichtlich nicht zu Hause sind, wenn sie ihm ins Gehege kommt, legt der Ursprung der Redewendung das nahe, denn sie meint eigentlich, dass sie in sein umzäuntes Grundstück eindringt, also seinen Grund und Boden betritt..

Quelle: Duden Band 7 – Herkunftswörterbuch, Mannheim 2001

Tiere als Lehrmeister

Etymologische Streifzüge, Foto: Glenda M. Powers

© Glenda M. Powers

Fabel, entlehnt aus lateinisch fabula „Erzählung, Sage“, bedeutete bis ins 18. Jahrhundert genau das, nicht mehr und nicht weniger. Diese allgemeine Bedeutung ist bis heute in fabeln oder fabelhaft erhalten. Das Lehrhafte kam erst dann nach dem Vorbild der Tierfabeln Äsops, und fortan  bedeutete Fabel „lehrhafte Erzählung“.

Das Verb fabulieren stammt übrigens vom lateinischen fabulari „sprechen, schwatzen, plaudern, fantasieren“.

Quelle: Duden Band 7 – Herkunftswörterbuch, Mannheim 2001

Beziehungsrecht

Die Ehe schafft in einer Beziehung Recht und Gesetz. Denn tatsächlich geht das Wort auf das mittelhochdeutsche e, ewe zurück. Und das bedeutet eben „Recht, Gesetz“.

Der Deckendecker

Sowohl decken, Dach als auch Ziegel gehen auf die indogermanische Wurzel [s]teg = „decken“ (die Form ist nicht nachgewiesen, lässt sich aber erschließen) zurück.

Ein Dachziegel ist demnach ein „das Deckende Deckende“, während ein Dachdecker das Deckende mit dem das Deckende Deckende deckt, weshalb man ihn auch einen „das Deckende mit dem Deckenden Deckender“ nennen könnte.

Nennen wir ihn kurz einen Deckendecker.

Gar aus!

Seit dem 15. Jahrhundert kündigte man in Süddeutschlend mit dem Ruf „Gar aus!“ die Polizeistunde an. Das bedeutet „vollständig aus“ (vgl. das Essen ist gar) und wurde dann auch auf das Ende des Tages und den Glockenschlag, der dieses einläutete, übertragen.

Schließlich wurde es zum Ausdruck Garaus zusammengezogen. Wer also jemandem den Garaus macht, bereitet ihm sein vollständiges Ende.

Das Abenteuer vom Advent

Wie uns das Herkunftswörterbuch (Duden, Band 7) erläutert, stammt das Wort Abenteuer vom mittelhochdeutschen abentiure, aventiure in der Bedeutung „Begebenheit; Erlebnis, Wagnis“. Dieses wurde Ende des 12. Jahrhunderts aus dem gleichbedeutenden altfranzösischen aventure entlehnt. Dieses wiederum geht auf ein Wort zurück, das zum Wortfeld des lateinischen ad-venire „herankommen; sich ereignen“ gehört.

Und da haben wir sie auch schon, die Verbindung. Denn zu ad-venire gehört ebenso adventus „Ankunft“, von dem unverkennbar der Advent abstammt.