Der Begreifler über gebeugte Adjektive

Der Begreifler, Foto: Stocksnapper

© Stocksnapper

Heißer Eintopf (heiße Suppe, heißes Süppchen) ist lecker. An sommerlichen Tagen ist aber statt heißen Eintopfs (heißer Suppe, heißen Süppchens) besser eine Kaltschale zu empfehlen. Mancher zieht heißem Eintopf (heißer Suppe, heißem Süppchen) ohnehin ein ordentliches Schnitzel vor. Andere lassen für heißen Eintopf (heiße Suppe, heißes Süppchen) alles andere stehen. Heiße Eintöpfe (heiße Suppen, heiße Süppchen) sind eben Geschmackssache.

Wie wir wissen und hier noch einmal deutlich sehen, werden Adjektive gebeugt, das heißt sie verändern ihre Form abhängig vom Kasus. Wenn sie wie im oberen Beispiel ohne Artikel, Zahlwort oder dekliniertes Pronomen auskommen müssen, folgen sie der starken Deklination, um der Verantwortung nachzukommen, die Kasus deutlich anzuzeigen.

Tritt etwa ein bestimmter Artikel hinzu, ist das Adjektiv von dieser schweren Verantwortung befreit und wird demnach schwach dekliniert:

Der heiße Eintopf (die heiße Suppe, das heiße Süppchen) ist lecker. An sommerlichen Tagen ist aber statt des heißen Eintopfs (der heißen Suppe, des heißen Süppchens) besser eine Kaltschale zu empfehlen. Mancher zieht dem heißen Eintopf (der heißen Suppe, dem heißen Süppchen) ohnehin ein ordentliches Schnitzel vor. Andere lassen für den heißen Eintopf (die heiße Suppe, das heiße Süppchen) alles andere stehen. Die heißen Eintöpfe (die heißen Suppen, die heißen Süppchen) sind eben Geschmackssache.

Genitiv, Dativ, Akkusativ – alle enden jetzt maskulin nur noch auf –en. Femininum und Neutrum sind nicht ganz so konsequent. Im Plural dagegen enden in allen Genera alle Kasus nur noch auf –en.

Tauschen wir nun den bestimmten gegen einen unbestimmten Artikel, bleibt das im Plural so. Im Singular scheint das Adjektiv sich jedoch nicht so sicher zu sein, ob es seine Verantwortung vollständig abgeben soll, und behält im Nominativ und Akkusativ die Endungen der starken Deklination bei, was zur gemischten Deklination führt:

Ein heißer Eintopf (eine heiße Suppe, ein heißes Süppchen) ist lecker. An sommerlichen Tagen ist aber statt eines heißen Eintopfs (einer heißen Suppe, eines heißen Süppchens) besser eine Kaltschale zu empfehlen. Mancher zieht einem heißen Eintopf (einer heißen Suppe, einem heißen Süppchen) ohnehin ein ordentliches Schnitzel vor. Andere lassen für einen heißen Eintopf (eine heiße Suppe, ein heißes Süppchen) alles andere stehen. Keine heißen Eintöpfe (keine heißen Suppen, keine heißen Süppchen) sind aber auch keine Lösung.

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Der Begreifler über substantivische Kräfte

Der Begreifler, Foto: Stocksnapper

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Substantive werden dekliniert. Manche von ihnen verhalten sich angesichts dieser Beugung echt stark, andere schwächeln, wieder andere können sich nicht recht entscheiden. So unterscheiden wir (und zwar schon seit Jacob Grimm) zwischen drei Deklinationsarten, in die sich die allermeisten Substantive einordnen lassen. Diese Einordnung ist unabhängig vom grammatischen Geschlecht (Genus) der Substantive.

Entscheidendes Merkmal ist stattdessen, wie oft die Substantive bei der Bildung der Kasus (grammatische Fälle) auf eine Stütze angewiesen sind. Diese Stütze ist die Endung -(e)n.

In der starken Deklination, die Maskulina, Feminina und Neutra umfasst, tritt die Endung -(e)n nur im Dativ Plural auf. Im Genitiv Singular steht die Endung -(e)s.

Maskulinum:

Singular

Nominativ: der Schreiber
Genitiv: des Schreibers
Dativ: dem Schreiber
Akkusativ: den Schreiber

Plural

Nominativ: die Schreiber
Genitiv: der Schreiber
Dativ: den Schreibern
Akkusativ: die Schreiber

Femininum:

Singular

Nominativ: die Mutter
Genitiv: der Mutter
Dativ: der Mutter
Akkusativ: die Mutter

Plural

Nominativ: die Mütter
Genitiv: der Mütter
Dativ: den Müttern
Akkusativ: die Mütter

Neutrum:

Singular

Nominativ: das Kind
Genitiv: des Kind(e)s
Dativ: dem Kind(e)
Akkusativ: das Kind

Plural

Nominativ: die Kinder
Genitiv: der Kinder
Dativ: den Kindern
Akkusativ: die Kinder

In der schwachen Deklination kommen Maskulina und Feminina vor. Bei den Maskulina tritt hier die Endung -(e)n außer im Nominativ Singular durchgehend auf, bei den Feminina bei allen Pluralformen, während der Singular endungslos ist.

Maskulinum:

Singular

Nominativ: der Mensch
Genitiv: des Menschen
Dativ: dem Menschen
Akkusativ: den Menschen

Plural

Nominativ: die Menschen
Genitiv: der Menschen
Dativ: den Menschen
Akkusativ: die Menschen

Femininum:

Singular

Nominativ: die Frau
Genitiv: der Frau
Dativ: der Frau
Akkusativ: die Frau

Plural

Nominativ: die Frauen
Genitiv: der Frauen
Dativ: den Frauen
Akkusativ: die Frauen

In der gemischten Deklination versammeln sich schließlich diejenigen Maskulina und Neutra, die im Singular stark, im Plural schwach gebeugt werden. Zu dieser Deklinationsart gehört auch das oft fälschlicherweise schwach deklinierte Wort „Autor“, weshalb ich es hier beispielhaft verwende.

Maskulinum:

Singular

Nominativ: der Autor
Genitiv: des Autors
Dativ: dem Autor
Akkusativ: den Autor

Plural

Nominativ: die Autoren
Genitiv: der Autoren
Dativ: den Autoren
Akkusativ: die Autoren

Neutrum:

Singular

Nominativ: das Auge
Genitiv: des Auges
Dativ: dem Auge
Akkusativ: das Auge

Plural

Nominativ: die Augen
Genitiv: der Augen
Dativ: den Augen
Akkusativ: die Augen

Bleibt noch zu sagen, dass es Substantive gibt, die sich von einer zur anderen Deklinationsart hinentwickeln (die Mannen/die Männer), dementsprechend solche, die aktuell schwanken (des Bauers/des Bauern). Dort, wo Doppelformen auftreten, gilt häufig nur eine als standardsprachlich. Bei anderen tritt eine Bedeutungsdifferenzierung auf.

Was war noch gleich Deklination?

Deklination kommt vom lateinischen declinatio, was so viel bedeutet wie Abbiegung, Beugung. Der Begriff bezeichnet die Formveränderung (Flexion) der deklinierbaren Wortarten, nämlich der Substantive, Artikel, Adjektive, Numerale und Pronomen. Dekliniert werden diese hinsichtlich Kasus, Genus und Numerus.

Singular

Nominativ: der Mann – die Frau – das Kind
Genitiv: des Mann(e)s – der Frau – des Kind(e)s
Dativ: dem Mann – der Frau – dem Kind
Akkusativ: den Mann – die Frau – das Kind

Plural

Nominativ: die Männer – die Frauen – die Kinder
Genitiv: der Männer – der Frauen – der Kinder
Dativ: den Männern – den Frauen – den Kindern
Akkusativ: die Männer – die Frauen – die Kinder

Entsprechend regelmäßig auftretender Flexionsmerkmale (s. Beispiele) wird in verschiedene Deklinationstypen unterschieden, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem Genus stehen.

Das Neuner-ABC: Lack ab

„Ich denke, wir sollten noch einmal überstreichen, bevor wir lackieren.“
„Meinst du wirklich? Können wir nicht gleich lacken?“

Sowohl lackieren als auch lacken ist korrekt. Letztere Form wird vor allem in der Fachsprache verwendet.

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Das Neuner-ABC: Was ist das?

Federwerk apostrophiert

Wer nicht genau weiß, wo ein Apostroph hingehört und wo nicht, wer ihn auch nach ewigem Suchen nicht auf seiner Tastatur findet oder wer sich immer noch fragt, ob es nun der oder das Apostroph heißt, der wird auf dem Federwerk-Blog meiner Rostocker Lektorenkollegin Marion Kümmel fündig.

Das Neuner-ABC: Im Kajak unterwegs

„Wir warteten nur noch auf den Kajak.“
„Wer ist denn das? Den kenne ich gar nicht.“
„Das ist ein Boot.“
„Ach, du meinst das Kajak.“

Tatsächlich ist beides richtig, der Kajak ebenso wie das Kajak. Im Plural heißt es die Kajaks, seltener auch die Kajake.

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Das Neuner-ABC: Was ist das?

Das Neuner-ABC: Ich + Ich ist nicht gleich Wir

Du solltest dich mehr mit deinem Ich beschäftigen. Überhaupt sollten sich alle Menschen mehr mit ihren Ichs beschäftigen.

Der Plural von Ich lautet die Ichs. Gelegentlich kommt allerdings auch noch die Ich vor.

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Das Neuner-ABC: Was ist das?

Das Neuner-ABC: Wenn Es etwas hat

In diesem Garten hat es viele Blumen.

Im Rostocker Zoo hat es Eisbären.

Die Verwendung  von unpersönlichem es hat für es gibt ist schweizerisch. Ansonsten wird es landschaftlich vor allem im süddeutschen Raum verwendet.

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Das Neuner-ABC: Was ist das?

Das Neuner-ABC: Perfektes Galoppieren

Das Verb galoppieren kann das Perfekt auf zwei Arten bilden.

Wird eine Ortsveränderung ausgedrückt, wird das Perfekt mit sein gebildet:

Wir sind durch das Dorf galoppiert.

Steht dagegen die Dauer des Geschehens im Vordergrund, wird das Perfekt mit haben gebildet:

Wir haben einige Minuten galoppiert.

Allerdings wird auch im zweiten Fall immer häufiger sein verwendet:

Wir sind einige Minuten galoppiert.

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Das Neuner-ABC: Was ist das?

Das Neuner-ABC: Immer diese Fabrikanten

Ich habe dem Fabrikant gesagt, dass er schlecht gearbeitet hat.

Weit verbreitet und doch falsch! Richtig müsste es heißen:

Ich habe dem Fabrikanten gesagt, dass er schlecht gearbeitet hat.

Der Fabrikant wird nämlich (anders als der Autor!!!) schwach gebeugt, demzufolge lauten die Formen:

der Fabrikant
des Fabrikanten
dem Fabrikanten
den Fabrikanten

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Das Neuner-ABC: Was ist das?