Der Begreifler über klingendes Reimen

Der Begreifler, Foto: Stocksnapper

© Stocksnapper

Es stritten einst zwei Damen,
ums Klingen ihrer Namen.

Beruht der Endreim auf zwei Silben, folgt also der letzten Hebung noch eine Senkung, spricht man vom klingenden oder weiblichen Reim.

Aber Achtung!  Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass das letzte Wort, also das Reimwort, zweisilbig sein muss:

Der Streit war kurz, denn einer Dame
entfiel im Zorn der Eigenname.

Dem entgegen stehen einsilbige Reime, die man dann als stumpf oder männlich bezeichnet:

Am Boden blieb der Name stumm,
nun sucht sie in der Gegend rum.

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Der Begreifler über stumpfes Reimen

Der Begreifler, Foto: Stocksnapper

© Stocksnapper

Es war einmal ein Mann,
der fing zu reimen an.

Beruht der Endreim auf einer Silbe, endet die Gedichtzeile also auf einer betonten Silbe (Hebung), spricht man vom stumpfen oder männlichen Reim.

Aber Achtung!  Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass das letzte Wort, also das Reimwort, einsilbig sein muss:

Man nennt ihn fortan Dichtermann,
weil er so Schönes dichten kann.

Entmannt wird der Reim erst, wenn er auf einer unbetonten Silbe endet:

Ihm folgten viele Männer,
doch keiner war der Renner.

Der Begreifler übers Schütteln

Der Begreifler, Foto: Stocksnapper

© Stocksnapper

Die Friedel Gernot gerne fing,
weil er nicht in die Ferne ging.

Sicherlich eine der spielerischsten Reimformen ist der Schüttelreim, bei dem die anlautenden Konsonanten der Reimsilben/-wörter vertauscht werden.

Na dann, viel Spaß beim Spielen!

Oldies: Behuf

Der Begriff stammt nicht etwa aus der Fachsprache der Reiter, sondern aus der Amtssprache. Er bedeutet „Zweck, Erfordernis“ und gehört zum althochdeutschen bihoubida „Erwartung“ und dem mittelhochdeutschen behuof „das zu einer Sache Nötige“. Aus dem Englischen kennen wir behoof „Nutzen, Vorteil“.

Mag uns der Behuf in der Amtssprache noch hin und wieder begegnen, dürfte die entsprechende Präposition (mit Genitiv) behufs „zwecks, zum Zwecke“ praktisch ausgestorben sein. Erklärt doch einmal eurem Arbeitgeber:

Behufs eines Hausbaus benötige ich eine Gehaltserhöhung.

Oldies: Abgunst

Noch nie gehört? Das Wort ist auch mindestens im Aussterben begriffen. Moderne Wörterbücher führen es meist nicht mehr. Kaum verwunderlich, wird doch selbst die Gunst nur noch bei den wenigsten Deutschen im aktiven Wortschatz vorkommen.

Immerhin verwenden wir günstig weit häufiger, wenn auch in anderen Zusammenhängen, kaum als Gegenteil von missgünstig. Das ist nun wieder ein Synonym zum ebenfalls kaum noch bekannten abgünstig, womit wir wieder bei der Abgunst angekommen sind, die sowohl Missgunst bedeutet als auch Abneigung. Auch das Misstrauen ist damit gemeint. Demenstsprechend ist derjenige, der uns abgünstig ist, mindestens misstrauisch, wenn nicht gar übelwollend.

Jugend kreativ

Seit dem 29.11.2010 steht es fest, das Jugendwort des Jahres:

Niveaulimbo.

Dieses Wort bezeichnet „das ständige Absinken des Niveaus“. Es wurde von einer Jury aus 15 Wörtern gewählt, die mit 38.000 Stimmen durch die Jugendlichen selbt nominiert worden sind.

Geradezu erstaunlich, mit welcher Kreativität hier die beiden aus völlig unterschiedlichen Bereichen stammenden Begriffe Niveau und Limbo zu einem neuen Wort mit neuer Bedeutung zusammengesetzt wurden.

Wer nun glaubt, da sei unseren Jugendlichen mal ein Zufallstreffer gelungen, den sollten ähnlich kreative Schöpfungen unter den Top 15 eines Besseren belehren.

Etwa Änderungsfleischerei für eine Klinik für Schönheitschirurgie. Oder Arschfax für das Etikett einer Untehose, das aus der Hose hängt. Ich ertappe mich selbst manchmal beim Egosurfen, wenn ich nämlich in Internetsuchmaschinen nach mir selber suche.

Sagt eurem Partner doch mal, er sei emotional flexibel, verratet ihm aber nicht, dass ihr damit launisch meint. Und er oder sie wird es möglicherweise gar als freundliches Lob auffassen, wenn ihr ihn oder sie als Hochleistungs-Chiller betitelt, womit ihr eigentlich auf seine extreme Faulheit hinweist.

Und vielleicht versöhnt ja dann ein Urlaub in der Klappkaribik. Wo das ist? Fragt mal im Sonnenstudio nach.