Kurz vorm Platzen

Sprachliche Wendungen enthalten oft sprachliche Bilder, die einen Sachverhalt anschaulich darstellen. Sie sind aber nicht ohne Weiteres übertragbar.

So kann einem die Frau im nachfolgenden Beispiel durchaus leidtun. Hilfe gibt es wahrscheinlich nur vom Psychologen. Oder sie bittet den Autor, ihren Ehemann sprachlich wieder abzuspecken.

Sie betrachtete ihren stolzgeschwellten Gatten.

Das Neuner-ABC: à

„à“ ist eine Präposition, die wir aus dem Französischen  übernommen haben und als Synonym zu „zu“ verwenden. Das dürfte den meisten bekannt sein.

Ich habe drei Kisten Bier à zwanzig Flaschen gekauft.
Ich habe drei Kisten Bier zu (je) zwanzig Flaschen gekauft.

„à“ wird in der Kaufmannssprache verwandt. Was aber weniger bekannt sein dürfte, gerade weil es für Entlehnungen aus dem Französischen eher ungewöhnlich ist: Abseits der Kaufmannssprache gilt die Präpositon im Deutschen als umgangssprachlich.

Das Neuner-ABC: Was ist das?

Das Neuner-ABC: Was ist das?

Mit dem Neuner-ABC beginne ich eine neue Kategorie auf diesem Blog. „ABC“ heißt es, weil die Artikel, die sich mit sprachlichen Problemen aller Art befassen, sich am Alphabet orientieren. „Neuner“ habe ich es genannt, weil es durch den Duden Band 9 – Richtiges und gutes Deutsch inspiriert ist.

Ich schlage also Band 9 bei dem Buchstaben auf, der an der Reihe ist, und wähle mir ein Problem, das ich dann in einem kleinen Artikel verarbeite.

Quelle: Richtiges und gutes Deutsch : Duden Band 9, Dudenverlag, Mannheim 2005

Schreiben lernen mit Stil

Andrea Bottlinger leitet demnächst einen neuen Online-Schreibkurs. Der wird von der VHS Birkenfeld über die Lernplattform Moodle angeboten und steht unter dem Titel „Kreatives Schreiben – Verbessern Sie Ihren Schreibstil“.

Der Kurs geht über acht Wochen, beginnt am 4. September, kostet 96,- Euro und richtet sich vorrangig an Schreibanfänger und Hobbyschreiber. Genauere Informationen zum Programm und zur Anmeldung sowie zur Kursleitung gibt es hier.

Wenn nicht nur das Fass überläuft

Redensarten und feste Wendungen bilden immer wieder die Grundlage für Stilblüten, wenn sie nämlich nicht in der festen Fügung gebraucht werden, die sie eigentlich kennzeichnet.

Ein besonders markantes Beispiel las ich heute in den Kommentaren zu einem Internetartikel. Nun muss man sich ohnehin schon zurückhalten, die Wendung „sich einen hinter die Binde kippen“ nicht wörtlich zu nehmen, im folgenden Fall bleibt einem aber gar nichts anderes übrig:

… wenn ich weiß die kippt sich gern ein in die Binde.

Eure Fragen, meine Antworten

Vielleicht habt ihr ja meine neue Seite schon entdeckt. Ich habe mir gedacht, ein bisschen Interaktivität kann ja nicht schaden. Und manchmal hat man ja plötzlich ein Problem oder eine Frage, und hätte gern, aus reinem Interesse oder weil es für die Arbeit (Autorentätigkeiten inklusive) sogar wichtig ist, eine kurze Antwort. Sofern es sich dabei um den Bereich des Schreibens oder der Sprache dreht, dann einfach hinklicken und Kommentar schreiben.

Über Gänsefüßchen stolpern

Sie sind schon so klein und doch kann man leicht darüber stolpern, Anführungsstriche oder die sogenannten „Gänsefüßchen“. Denn neben der Kennzeichnung der wörtlichen Rede oder von Zitaten stehen Gänsefüßchen eben vor allem für das Sogenannte. Das, von dem man deutlich machen will, dass es eigentlich gar nicht so gemeint ist, dass man sich von dem Ausdruck, der eingefüßelt wird, meist in ironischer Weise distanziert.

Diesmal hat er nicht gewonnen, sondern ist „nur“ Zweiter geworden.
Seine „selbstlose“ Liebe ging so weit, dass er sie im Keller einsperrte.

Sind sie in diesen Beispielen ein eindeutiges Stilmittel, das wie jedes andere Stilmittel sparsam angewandt die erwünschte Wirkung beim Leser erzielt, scheint es einen Trend zu geben, Texte möglichst witzig zu gestalten, indem man über ihnen einen ganzen Sack dieser Gänsefüßchen ausschüttet. Bei manchem Romanmanuskript eines angehenden Autors könnte man sich fragen, warum er nicht einfach den gesamten Text in Anführungsstriche gesetzt hat. Das hätte sogar noch weniger Mühe gemacht, als am Ende den Hinweis zu setzen, dass der ganze Text eigentlich nicht so gemeint war.

Da trifft man dann während des Lesens auf Sätze wie:
Sie „begrabbelten“ sich.
Er ging ihr mächtig auf den „Keks“.
Nach den Anstrengungen des Tages gingen sie völlig geschafft „pennen“.

Zunächst muss der Leser kapieren, dass, wie es die Gänsefüßchen vermuten ließen, die Akteure nicht etwa das Gegenteil von dem tun, was der Erzähler ihnen andichtet, sondern dass sie sich tatsächlich begrabbeln, auf den Keks gehen oder in die Falle fallen. Was also bezweckt der Autor mit den Latschen des Federviehs?

Nun, er meint, diese Vermutung liegt zumindest nahe, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen hofft er, damit einen ironischen Grundton in seinen Text zu bringen, zum anderen entschuldigt er sich gleichzeitig für die umgangssprachliche Ausdrucksweise.

Nun ist es zum einen durchaus das Recht eines Autors, in seinem Text, so es denn zum Stil des Textes, zum Erzähler oder zur Figur passt, Umgangssprache zu verwenden, zum anderen verstärken die Gänsefüßchen eher noch den Eindruck der Unsicherheit auf Seiten des Autors. Man fragt sich, ob er, statt sich bewusst dafür zu entscheiden, einen Ausdruck nicht eher aus Verlegenheit gewählt hat. Die häufig noch zunehmende Fülle an Gänsefüßchen, die schließlich auch vor völlig unproblematischen Ausdrücken nicht mehr Halt machen (Leise „schlichen“ sie sich an.) verstärkt einen solchen Eindruck noch.

Ähnliches kann man übrigens nicht nur in Romanmanuskripten beobachten. So wirkt auch ein Bewerbungsschreiben nicht dadurch betont locker, dass der Bewerber umgangssprachliche Ausdrücke benutzt, diese dann aber in Gänsefüßchen setzt, um sich gleich wieder davon zu distanzieren. Entweder man steht dazu oder man verabschiedet sich besser ganz von der Umgangssprache. Locker wird ein Text im Übrigen eher durch einen insgesamt geübt lockeren (z.B. verbalen) Stil.

Plappermäulige Blicke

Hoffend sah ich sie an. Sie warf mir einen vielsagenden Blick zu und mir wurde ganz heiß.

In der Regel sagt so ein vielsagender Blick nur eines: Hier weiß jemand den Blick nicht zu deuten oder sich nicht auszudrücken. Im günstigsten Fall ist es die Figur, in den weitaus meisten Fällen ist es leider der Autor. Vor allem in den Texten von Schreibanfängern tummeln sich die vielsagenden Blicke an jeder Ecke. Dieses Geschnatter und Geplapper ist kaum auszuhalten. Mal ein vielsagender Blick wäre ja noch in Ordnung. Auf die Dauer kann man vom Autor aber durchaus verlangen, sich ein bisschen mehr Mühe zu geben, einerseits der Abwechslung wegen, andererseits, weil ein Blick eben so viel mehr (und Subtileres) sagen kann als viel.

Übrigens sind tiefgründige Blicke meist nicht weniger oberflächlich. Und auch ein hintergründiges Lächeln sollte nicht ständig in den Vordergrund gerückt werden.

Öfter mal einen Punkt machen

Ob man lange oder kurze Sätze lieber mag, ist meist Geschmackssache. Sie zu verwenden, nicht.

Sowohl die einen als auch die anderen gekonnt zu verwenden, ist jeweils eine Kunst.

Ob, wo und wie oft man zu den kurzen oder den langen Sätzen greift, ist eine Frage des Stils, sowohl des persönlichen als auch des vom Text her sinnvollsten. Grundsätzlich gilt sicher, die Mischung macht’s, wenn diese auch nicht ganz beliebig sein sollte.

Die richtige Mischung zu finden, soll aber heute nicht mein Thema sein. Diesmal geht es schlicht um die zu langen Sätze. Die Betonung liegt auf „zu“.

So seltsam es klingen mag, aber ob ein Satz zu lang ist, ist nicht unbedingt von seiner Länge abhängig. Ein Satz, der über viele Seiten geht, hat möglicherweise nicht einen einzigen Buchstaben zuviel. Und auch mancher Satz, der eine Zeilenlänge nicht überschreitet, ist schon deutlich zu lang. (In manchem Satz ist jedes Wort zuviel.)

Nun rede ich die ganze Zeit von Sätzen. Warum heißt der Titel des Beitrags dann „Öfter mal einen Punkt machen“? Weil es genau darum geht. Dort, wo ein Punkt hingehört, sollte man ihn auch setzen. Tut man es nicht, wird der Satz zu lang.

Dabei ist das keine Frage der Grammatik, sonden eine der inhaltlichen Zusammenhänge. Sowohl derer innerhalb des Satzes als auch der kontextbezogenen.

Die Sonne ging auf, weiße Federwölkchen überzogen den Himmel, Peter ging zum Teich und benetzte sich mit dem kühlen Nass.

In der Regel gehört hier hinter das Wort „Himmel“ ein Punkt. Das morgendliche Naturschauspiel ist die eine Sache, die morgendlichen Handlungen Peters sind eine andere. Zwischen beiden gibt es keine direkte Beziehung, allenfalls eine sehr lose, die überdies keiner besonderen Betonung bedarf.

Allerdings könnte es einen Kontext geben, in dem das Komma einen Sinn macht, in dem es also eine direkte Beziehung zwischen den natürlichen Vorgängen und Peters Handlungen gibt. So könnte es in den Tagen zuvor geregnet haben, sodass Peter sich in der Stube waschen musste. Die aufgehende Sonne und der schöne Morgen wären dann der direkte Auslöser für Peters Handlungen. Das schöne Wetter erlaubt ihm, sich am Teich zu waschen. Von der Bedeutung her entspräche das obige Beispiel dann folgendem Satz:

Weil die Sonne aufging und weiße Federwölkchen den Himmel überzogen, ging Peter zum Teich und benetzte sich mit dem kühlen Nass.

Im Fazit bedeutet das also, dass hier Punkt oder Komma auch einen Bedeutungsunterschied mit sich bringen, weil das Komma eine direkte Beziehung der Aussagen untereinander ausdrückt, die der Punkt (in anderen Fällen ein Frage- oder Ausrufezeichen) nicht mit sich bringt.

Leider treffe ich beim Lektorat immer wieder auf solche Sätze, die eine inhaltlich unbegründete Aneinanderreihung verschiedener Sachverhalte und Handlungen sind. Darum: Öfter mal einen Punkt setzen.

Wende nicht die Redewendung

Redewendungen kennen wir alle. Und sie gehören zu den sprachlichen Bausteinen, die von angehenden Autoren besonders gern benutzt werden, so jedenfalls meine Erfahrung aus dem Lektorat.

Hin und wieder könnte man darüber streiten, ob es eine besonders kreative Leistung ist, seinen Text mit altbekannten Wendungen zu spicken, aber das soll nicht Thema dieses Beitrags sein.

Viele dieser Redewendungen sind mehr oder weniger feststehend, daher lassen sie sich nicht beliebig verwenden und verwandeln. Tut man das, läuft man zumindest Gefahr, dass die übertragene Bedeutung, die eine Redensart in sich trägt, verlorengeht. Die Folge sind im Allgemeinen die so gefürchteten Stilblüten.

So will Peter eben nicht in Franks Haut stecken. Weder will er hinter seiner Haut stecken noch hinter seinem Gesicht. Möglicherweise will er nicht in seiner Kleidung stecken, dann aber im wörtlichen Sinn, weil sie ihm nicht gefällt.

Wer etwas unter den Tisch kehrt, will etwas verheimlichen, wer dagegen etwas unter dem Tisch kehrt, macht dort sauber, wenn auch nicht besonders gründlich. Man kann allerdings auch etwas unter den Teppich kehren, wer nun wiederum etwas unter den Schrank, den Stuhl oder den Schreibtisch kehrt, wird sicher nicht als Reinigungskraft eingestellt.

Wenn jemandem das Herz aufgeht, muss er nicht gleich auf den Operationstisch. Dabei sollte man es dann auch belassen, statt ihm sein Herz eingehen zu lassen, ihm verschiedene andere Dinge anzutun oder diverse andere Körperteile aufgehen zu lassen.

Kurz: Auch hier heißt es wieder: Mach dir bewusst, was du schreibst. Schlag die Redewendung lieber noch einmal nach. Das geht auch bequem im Netz, zum Beispiel auf redensarten-index.de.