Redselig – Figuren im Gespräch

Ein paar Grundlagen zum Dialog in (literarischen) Texten gibt es seit heute bei Hilfe für Autoren:

Redselig – Figuren im Gespräch

Ein bisschen erzählen

Im folgenden Artikel bei „Hilfe für Autoren“ geht es ums Erzählen, um den Erzähler und um Erzählperspktiven:

Der Erzähler und seine Perspektiven

Konflikt und Prämisse

In der Hilfe für Autoren geht es diesen Monat um Konflikt und Prämisse:

Wer außerdem Anregungen zum Plotten sucht, wird, falls er es nicht schon geworden ist, auf meinem Autorenblog fündig.

Hilfe für Autoren

Seit Anfag des Monats gibt es einen neuen Schreibratgeber im Internet, der sich sowohl an Anfänger als auch an Fortgeschrittene richtet.

Im Auftrag von mySTORYs führe ich ein neues Weblog mit dem Titel „Hilfe für Autoren“ .

Immer zum Anfang des Monats gibt es dort zwei neue Artikel, die sich mit Themen rund ums Schreiben und Veröffentlichen befassen.

Auf diesem Blog hier werde ich daher, wenn die Reihe „Harry Plotter“ abgeschlossen ist, die Kategorie „Rat mir mal“ zwar weiterführen, mich aber mehr auf andere Themen konzentrieren.

Harry Plotter: Der Konflikt

Bevor es an ein Arbeitsexposee gehen kann, will Harry Planer sich noch einmal den Hauptkonflikt seiner Geschichte deutlich machen und ihn notieren. Ihm ist klar, dieser Hauptkonflikt ist der, den seine Hauptfigur austrägt. Und ihm ist klar, dass der Konflikt seiner Hauptfigur (des Protagonisten) dadurch entsteht, dass ihr vorrangiges Ziel auf Widerstände stößt, die es zu überwinden gilt.

In seinem Fall besteht das Ziel seines Protagonisten darin, die Angebetete zu erobern. Hätte er dabei leichtes Spiel, weil er ein Scharmbolzen ist und seine Liebe seine Gefühle sofort erwidert, gäbe es keinen Konflikt und die Geschichte würde sich kaum für einen Roman eignen.

Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, für einen Konflikt zu sorgen. Zum Beispiel könnte der Protagonist sich selbst im Weg stehen, weil er ein hoffnungsloser Trottel ist, der auch beim Werben um seine große Liebe alles falsch macht. Ein klassischer Komödienkonflikt. Aber eine Komödie will Harry Planer nicht erzählen.

Auch die äußeren Umstände könnten eine Rolle spielen. Kleinere und größere Katastrophen könnten immer wieder verhindern, dass der Prota überhaupt in die Nähe seiner potentiellen Ehefrau kommt. Oder die Hauptfigur ist äußerlich alles andere als attraktiv, sodass sie einen ordentlichen Kampf auszufechten hat, um Fräulein „Ichbinsoschön“ von den inneren Vorzügen zu überzeugen. Und natürlich könnten die Widerstände auch sozialer Natur sein, entweder weil es das erwähnte Fräulein selbst ist, das sich sträubt, sich unter ihrem Stand zu verlieben, oder weil es deren Familie (oder Teile davon) ist, die bei dem Be- und Umwerber die Nase(n) rümpft.

Harry Planer ruft sich seine Grundidee ins Gedächtnis. Er will das Scheitern seines Protagonisten zeigen. Dabei geht es ihm weniger um dessen individuelles Scheitern, sondern mehr darum, zu zeigen, dass ein solches Scheitern jeden treffen kann, der sein Leben komplett auf ein Ziel ausrichtet. Wenn sein Protagonist also aufgrund eher individueller Besonderheiten (zum Beispiel seines Äußeren) scheitern würde, käme das dieser Idee nicht zugute.

Harry Planer entscheidet sich also, einen Normalo als Protagonisten zu wählen, der weder besonders unattraktiv noch das Gegenteil davon ist, gesellschaftlich nicht allzuweit von seiner Traumfrau entfernt und weder absoluter Herzensbrecher noch Liebestrottel. Was ihn sein Ziel nicht ohne Weiteres erreichen lässt, ist demnach einzig und allein, die nicht gleich erwiderte Liebe.

Als Konflikt notiert sich Harry Planer, nachdem er seinen beiden Hauptfiguren Namen gegeben hat:

Otto Normal versucht die Liebe von Lea Lieblos zu erringen, die seine Gefühle nicht erwidert.

 

Harry Drauflos hat es leichter. Er exzerpiert den Konflikt einfach aus dem, was ihm sein Chef erzählt hat. Zur Verfremdung ändert er die Namen, wobei er, einer glücklichen Fügung für den Blogverfasser sei Dank, zufälligerweise genau dieselben Namen wählt wie Harry Planer. Er notiert:

Otto Normal liebt Lea Lieblos. Doch sie liebt ihn nicht.

 

Anmerkungen:

1. Der fertige Konflikt mag simpel wirken, aber zum einen hat vor allem Harry Planer sicherlich zeigen können, dass die Überlegungen dazu gar nicht so simpel sein müssen, zum anderen sind auf den Punkt gebrachte Hauptkonflikte, die ja durch die Geschichte und mögliche Nebenkonflikte erst gefüttert werden müssen, meist recht simpel: Der Kommissar will den Mörder überführen, aber der will sich nicht überführen lassen. Robinson will überleben, aber die Insel scheint dafür wenig geeignet. Frodo muss die Welt vor Sauron retten, aber der hat etwas dagegen.

2. Auch wenn man es hier nicht sofort erkennen mag, der Antagonist in diesem Konflikt ist Lea Lieblos. Antagonisten sind nicht immer klassische Bösewichte wie Sauron, Lord Voldemort oder Dr. No. Sie sind nicht einmal immer Personen. Der Antagonist ist einfach der, die oder das, der, die oder das den Zielen des Protagonisten im Weg steht. Das kann ein Bösewicht sein, aber auch eine sympathische Figur, deren nachvollziehbare Interessen denen des Protas entgegenstehen (z. B. der härteste Konkurrent des 100 Meter-Läufers), der Berg, den der Bergsteiger bezwingen will, der innere Schweinehund oder eine bestimmte Eigenschaft des Protagonisten, die seinem Ziel im Weg steht (z.B. die körperliche Behinderung des Sportlers oder die Bindungsangst eines Mannes, der seine große Liebe heiraten will).

Harry Plotter: Die Idee

Harry Planer möchte gern eine Geschichte über das Scheitern schreiben. Er überlegt sich, dass das Scheitern besonders schmerzlich wäre, wenn jemand sein hart erkämpftes Ziel schon vor Augen hat, es ihm aber im letzten Moment zwischen den Fingern hindurchrinnt. Er denkt über mögliche Ziele nach. Geld scheint ihm zu banal, Glück zu allgemein, ebenso die Liebe. Allerdings gefällt ihm an der Liebe, dass sie ein Ziel ist, mit dem sich viele Leser identifizieren können. Auch glaubt er, dass ein Protagonist, der sich für die Liebe aufopfert, in besonderem Maße die Sympathien der Leser auf sich ziehen kann, dass damit sein Scheitern auch vom Leser als noch schmerzlicher empfunden wird.

Harry Planer entscheidet sich also, die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der sich unsterblich verliebt, für diese Liebe alles aufgibt, lange darum kämpft, seine Angebetete zu erobern, und nach scheinbar endlosen Mühen überzeugt ist, er habe ihr Herz für sich gewonnen. Doch dann kommt ihm ein anderer Werber dazwischen, der nur mit dem Finger schnippen muss, und die Umworbene ist Feuer und Flamme für ihn.

Harry Drauflos macht gerade ein Praktikum in einem Heftromanverlag. Sein Chef scheint ihn zu mögen und erzählt ihm, wie er damals seine heutige Frau, die Besitzerin des Verlagshauses, kennengelernt hat und wieviel er aufgeben musste, um sie zu erobern. Ein Satz seines Chefs lässt Harry aufhorchen: „Ich glaube, wenn sie damals im letzten Moment „Nein“ gesagt hätte, ich hätte mich umgebracht!“

Harry Drauflos ist überzeugt, hier habe er den Stoff für einen guten Roman geliefert bekommen. Vieles, was ihm sein Chef erzählt hat, eignet sich, dazu ein bisschen Fiktion und das dramatische Ende, das es in der Wirklichkeit glücklicherweise nicht gegeben hat, und schon sollte er einen hervorragenden Plot zusammenhaben.

Beide Harrys nehmen sich vor, ihre Idee ein bisschen sacken zu lassen, sie hin und her zu wenden und in der nächsten Woche mit einem Arbeitsexposee zu beginnen.

 

Harry Plotter – Vorstellung

Stellen wir uns zwei junge Autoren vor. Überraschenderweise heißen beide Harry mit Vornamen, der eine jedoch mit Nachnamen Planer, der andere Drauflos.

Harry Planer hat bereits einen fertigen Roman in der Schublade. Schon diesen hat er sorgfältig geplottet. Ein bisschen zu sorgfältig vielleicht, denn als es endlich ans Schreiben ging, hatte er ein wenig den Bezug zu seiner Geschichte verloren, den er erst mühsam wieder herstellen musste. Nun will er sich in einer Methode versuchen, die sein Plotten effizienter und näher am späteren Schreiben gestaltet.

Harry Drauflos hat diverse angefangenen Manuskripte in der Schublade. Zwar hat er gehört, dass es auch unter den erfolgreicheren Autoren viele Bauchschreiber gibt, aber er hat nach einer Weile immer das Gefühl, sich hoffnungslos zu verfransen. Erste Versuche, im Voraus zu planen, haben ihn nicht weitergebracht, weil es seine Kreativität eher heruntergefahren hat und er nie ein Gefühl für die Geschichte entwickeln konnte. Für sein nächstes Projekt ist ihm aber eine Methode zu Ohren gekommen, die ihm möglicherweise entgegenkommt.

Unsere beiden Autoren nehmen sich jetzt ein bisschen Zeit um ihre Ideen sprießen zu lassen und wir werden nächste Woche sehen, wie weit sie damit gekommen sind.

Harry Plotter

Immer wieder ein Thema für Autoren: Wie plane ich meinen Roman?

Ich habe mir vorgenommen, ab der nächsten Woche beispielhaft eine Möglichkeit durchzuspielen, einen Roman von der Idee bis zur eigentlichen Schreibarbeit vorzuplanen.

Dabei sollen sowohl diejenigen berücksichtigt werden, die bereits planende Schreiber sind und nach Möglichkeiten suchen, ihre Planung zu verbessern, als auch diejenigen, die bisher eher nach Bauchgefühl einfach drauflosgeschrieben haben und ausprobieren wollen, ob sie mit ein bischen Planung besser zurechtkommen.

Natürlich kann ich damit nicht jedem eine Lösung bieten, denn Autoren arbeiten sehr unterschiedlich, und was dem einen liegt, damit kommt der andere gar nicht zurecht. Aber vielleicht kann der eine oder andere aus den Beispielen eine persönliche Strategie entwickeln oder zumindest ein paar Anregungen bekommen.

Als Beispiel werde ich einen eher schlichten und kurzen Plot wählen, damit es in einem Rahmen bleibt, den dieses Blog leisten kann.

Also, dann bis nächste Woche.

Was die Hauptfigur frühstückt

Tom erwachte wie jeden Morgen, als sein grüner Wecker klingelte. Er stand auf und streckte sich. Dann ging er schlaftrunken ins Bad. Er schaute in den Spiegel. Lamgsam zog er seinen weiß-blauen Schlafanzug aus, gähnte, ging zur Dusche und stellte das Wasser an. Dann stellte er sich selbst unter den Wasserstrahl. Er duschte etwa 14 Minuten. Nach dem Duschen trocknete er sich ab. Er zog seinen blauen Bademantel an und schlurfte in die Küche. Dort stellte er das Radio an und summte leise die Melodie von „Bodies“ von Robbie Williams mit. Dabei öffnete er den Kühlschrank und holte Butter, Erdbeermarmelade, Leberwurst und Frischkäse heraus. Er stellte alles auf den kleinen Küchentisch und deckte noch einen Teller, ein Messer und eine Kaffeetasse dazu. Dann holte er noch die …

Sicher seht ihr schon, worauf ich hinaus will. Eine Geschichte, wie wir sie lesen wollen, ist kein minutiöses Protokoll. Sie entwickelt sich, indem sie die für die Erzählung relevanten Augenblicke aus dem fiktiven Leben ihrer Protagonisten herausgreift. Der Erzähler wählt aus. Und zwar nur das, was für die Geschichte wichtig ist. Dazu gehören nur die Dinge, die entweder unmittelbar oder vorausgreifend für die Entwicklung des erzählten Konflikts bedeutend sind. Außerdem entsprechend diejenigen, die die Nebenhandlungen vorantreiben. Und mit beidem verknüpft solche Passagen, die dem Leser wichtige Informationen über die handelnden Figuren, Örtlichkeiten und weitere Umstände liefern.

Alltäglichkeiten wie die morgendlichen Rituale beim Aufstehen, bei der Morgentoilette und dem Frühstück gehören in den seltensten Fällen dazu. Nur wenn dem Leser damit etwas Wichtiges gezeigt werden soll (zum Beispiel, dass die ansonsten überpenible Hauptfigur morgens erst eine Weile braucht, um in diese Rolle zu schlüpfen), können auch solche Alltäglichkeiten ihren Platz in der Geschichte verdient haben.

Gleiches gilt übrigens auch für Ereignisse, die vielleicht gar nicht so alltäglich erscheinen. Wenn ein Protagonist nur deshalb auf eine feuchtfröhliche Feier geht, weil der Autor mal eben das Bedürfnis hatte, ein paar Partyszenen zu schildern, dann erfüllen diese Szenen in der Geschichte selbst keinen Zweck und sollten schleunigst wieder gestrichen werden.

Immer diese ersten Seiten

Hans Peter Roentgen hat seinen Schreibratgeber entsprechend aufgebaut: „Vier Seiten für ein Halleluja“. Er bewertet die ersten Seiten von Manuskripten, die Autoren ihm zugesandt haben, und gibt an diesen Beispielen Tipps, wie man es besser machen kann. Immer wieder heißt es, gerade die ersten Seiten zählen, will man sich um einen Programmplatz in einem Verlag bewerben. Dem kann ich mich nur anschließen.
Andererseits beklagen abgelehnte Autoren häufig, die wenigen Seiten Leseprobe, die sie dem Verlag vorlegen durften, seien möglicherweise nicht aussagekräftig gewesen, um das gesamte Manuskript zu repräsentieren. Dem entgegnet Joachim Jessen, Literaturagent bei der Agentur Schlück (bei einem Vortrag zum Montsegur-Treffen 2009), dass man kaum erwarten könne, wenn die ersten 50 Seiten nicht wirklich gut gewesen seien, es würde danach plötzlich merklich besser werden.
Nach meiner Erfahrung mit Manuskripten noch unerfahrener Autoren ist häufig sogar das Gegenteil der Fall. Seltsamerweise geht es mir oft so, dass ich die ersten Seiten noch mit verhältnismäßigem Vergnügen lesen kann, dann geht es plötzlich steil bergab. Das betrifft vor allem die sprachliche Gestaltung.
Warum das so ist, kann ich nur vermuten. Wahrscheinlich ist sich der Schreiber während der ersten Seiten (manchmal Sätze) noch besonders bewusst, was er da eigentlich vollbringen will. Er wählt seine Worte mit Bedacht. Irgendwann reißt ihn dann die eigene Geschichte mit sich und er schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.
Wenn dem so ist, kann ich nur raten: Versuche dir diese bewusste Stimmung zu bewahren. Mach öfter mal eine Pause und lies, was du gerade geschrieben hast. Schau immer mal wieder auf deinen Manuskriptanfang und vergleiche ihn mit dem, was du geschrieben hast, als die Geschichte dich in ihren Bann gezogen hat.