Der Begreifler über Lektoratsdurchgänge

Der Begreifler, Foto: Stocksnapper

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Ein Autor, der in einem Publikumsverlag publiziert, kommt automatisch in den Genuss eines Lektorats. Ein solches kann sehr unterschiedlich ablaufen, was nicht zuletzt davon abhängig ist, wie oft bzw. regelmäßig Autor und Lektor zusammenarbeiten, wie gut sie also aufeinander eingespielt sind, und wie groß das Vertrauensverhältnis ist. Manche Autoren ziehen beispielsweise den Lektor schon zu Rate, wenn sie sich noch im Schreibprozess oder gar noch in der Planungsphase befinden. Doch selbst diejenigen, die ihrem Lektor erst das fertige Manuskript zukommen lassen, können sich anschließend auf einen (mehr oder weniger) regen Austausch einstellen. Der Lektor macht Anmerkungen und Korrekturen, die der Autor anschließend prüfen, einpflegen und eventuell mit dem Lektor diskutieren muss. Der Autor schickt den überarbeiteten Text zurück, der Lektor redigiert erneut. Das letzte Verb deutet es schon an, man spricht bei solchem Vorgehen auch von Textredaktion, der Text wird so lange vom redigierenden Lektor (manchmal kommen auch mehrere zum Einsatz) betreut, bis (abgesehen vom Schlusskorrektorat) die Endfassung erreicht ist.

Autoren, die darauf angewiesen sind, selbst eine Lektoratsdienstleistung in Auftrag zu geben, können Ähnliches bekommen, sich also für eine Textredaktion entscheiden. Häufig wird eine solche Dienstleistung auch als Manuskript- oder Projektbetreuung angeboten oder fällt mit unter den Begriff des Coachings.

Klassischerweise geben Autoren aber eine einfache Lektoratsdienstleistung in Auftrag, was letztlich bedeutet, dass sie genau einen Lektoratsdurchgang erwarten können. Sie schicken ihr Manuskript an den Lektor, der dann versuchen wird (sofern ein entsprechend umfassendes Lektorat bestellt wurde), in einem Durchgang nicht nur einen möglichst hohen Prozentsatz aller Schwächen des Textes zu erkennen (und zu analysieren), sondern sie auch so knapp, aber gleichzeitig verständlich wie möglich anzumerken bzw. simple Lösungsvorschläge zu bieten. Je nachdem, wie grundlegend die Schwächen ausfallen, sind seine Möglichkeiten entsprechend begrenzt. Den auf diese Weise lektorierten Text wird der Autor (sofern es nicht anders vereinbart wurde) nun anhand der Anmerkungen und Änderungsvorschläge des Lektors selbstständig überarbeiten, nicht zuletzt deswegen, weil es ja sein Text ist, und er selbst bei der kleinsten Änderung das letzte Wort hat. Und das hat er tatsächlich, denn wollte er seine überarbeitete Version nun noch einmal durchchecken lassen, wäre das schon Lektoratsdurchgang Nummer zwei, der extra berechnet werden müsste. Allerdings dürfte er auch in den meisten Fällen empfehlenswert sein, weshalb man sich im Vorhinein gründlich überlegen sollte, ob man mit einer Textredaktion vielleicht besser beraten wäre.