Bis in Atemnot

Am Sonntag beginnt die Fußball-WM der Frauen. Und ich gehe mal davon aus, dass sich die meisten im Auftaktspiel der Deutschen ein Ergebnis wünschen, das so oder so ähnlich aussieht:

Deutschland – Kanada 3 : 0

Ausgesprochen würden wir sagen: Deutschland gegen Kanada. Statt des „gegen“ steht da nun ein Strich. Doch was passiert im folgenden Beispiel?

Sie werden 2–3 Tore schießen.

Richtig, da fehlen plötzlich zwei Leerzeichen. Denn sowohl „gegen“ als auch „bis“ können durch einen Strich ausgedrückt werden, der formal dem Gedankenstrich entspricht. Bei „gegen“ wird er von Leerzeichen umschlossen, bei „bis“ ohne Zwischenraum gesetzt.

Es muss allerdings dazugesagt werden, dass die DIN 5008 für Arbeiten im Büro- und Verwaltungsbereich in beiden Fällen die Leerzeichen verlangt.

Das bis-Zeichen muss durch „bis“ ersetzt werden, wenn es am Ende oder am Anfang der Zeile stehen würde. Außerdem ist es nicht zulässig, wenn „bis“ in Verbindung mit „von“ auftritt:

Sprechstunde: 9–11 Uhr
Sprechsstunde von 9–11 Uhr
Sprechsstunde von 9 bis 11 Uhr

Formfehler

Es ist schön, wenn die Gedanken fließen. Erst einmal. Irgendwann, und sei es, nachdem sie komplett in die erste Manuskriptfassung geflossen sind, sollte man sie auch einmal ordnen. Das meine ich nicht nur inhaltlich, sondern auch formal.

Immerhin wissen die meisten Schreiber, dass man einen Roman in Kapitel unterteilen kann. Aber bei manchem hört dann die Ordnungswut schlagartig auf und er überlässt diese Arbeit dem Leser. Der wird sich bedanken und bald ermüdet aufgeben. Denn niemand will einen Text lesen, der sich vom Anfang in einem riesigen schwarzen Block bis zum Ende zieht. Also heißt es: Mut zum Weiß.

Die Absatzgestaltung ist Aufgabe des Autors! Seltsamerweise haben viele der angehenden Autoren Schwierigkeiten damit, scheuen sich, Absätze zu setzen, weil sie nicht wissen, wo. Ich sage, im Zweifel besser zu viele als zu wenige.

Besser wäre natürlich, würde der Autor seine Absatzgestaltung inhaltlich begründen können. Absätze dienen nämlich der Untergliederung eines Textes in Sinneinheiten.

Wie genau der Autor seinen Text untergliedert, ist ihm überlassen. In der Regel bietet es sich aber an, den längeren Text zunächst in Kapitel, dann in einzelne Szenen und schließlich in die eigentlichen Absätze zu teilen.

Dabei werden die Szenen jeweils deutlicher voneinander getrennt, als die weiter gliedernden Absätze, so zum Beispiel durch eine Leerzeile. Szenen ergeben sich dabei häufig durch einen Wechsel der Zeit, des Ortes und / oder der Figuren. Jede bessere Szene hat ihre eigene Dramaturgie, ihren eigenen Konflikt und ihren eigenen Höhepunkt.

Aber auch innerhalb einer solchen Szene gibt es kleinere Sinneinheiten, denen wir jeweils kleine Überschriften geben könnten (die natürlich nicht im fertigen Manuskript auftauchen!). Stellen wir uns eine Szene vor, in der eine Frau ein Essen zubereitet, während sie darauf wartet, dass ihr verhasster Mann nach Hause kommt. Wir unterteilen diese Szene in 5 Absätze (ohne Leerzeilen):

  1. Sie kocht:
    Die Frau ist mit Tätigkeiten des Kochens beschäftigt (Rühren, Würzen, usw.).
  2. Sie denkt an ihren Mann:
    Ihre Gedanken schweifen ab und sie resümiert den Niedergang der Beziehung zu ihrem Mann.
  3. Das Essen droht zu verbrennen:
    Die Frau wird in die Gegenwart zurückgerissen, gerät in Panik, kann das Essen aber noch retten.
  4. Das Gift:
    Die Frau holt eine Flasche aus dem Schrank, auf der ein Totenkopf zu sehen ist. Vorsichtig gibt sie ein paar Tropfen ans Essen.
  5. Ruhe:
    Die Frau setzt sich an den Küchentisch und zündet sich lächelnd eine Zigarette an. Der Absatz beschließt die Szene.

Die nächste Szene beginnt damit, dass die Frau den Mann nach Hause kommen hört.

Wie gesagt: Wie genau der Autor die Absätze wählt, ist seine Sache. Hauptsache, er untergliedert überhaupt. Besser noch: Seine Untergliederung lässt sich vom Leser nachvollziehen!