Das Neuner-ABC: Die Quader – und doch nur einer

Neuner-ABC, Foto: James Steidl

© James Steidl

Ein Würfel ist eine besondere Form der Quader.

Häh? Da stimmt doch was nicht! Wenn der Würfel im Singular steht, müsste doch auch der Quader im Singular stehen. Oder man müsste eben schreiben:

Würfel sind eine besondere Form der Quader.

Aber sind es denn überhaupt die Quader, handelt es sich also um eine Pluralform? Nein, nicht unbedingt, denn neben der gebräuchlicheren maskulinen Form der Quader gibt es auch das Femininum die Quader:

Ein Würfel ist auch immer eine Quader.

Zu beachten sind auch die jeweiligen Pluralformen:

maskulin:
der Quader – die Quader

feminin:
die Quader – die Quadern

Österreich (!!!):
der Quader – die Quadern

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Das Neuner-ABC: Was ist das?

Das Neuner-ABC: Das Paar und seine Folgen

Klar, ein paar Schuhe sind meist mehr als ein Paar Schuhe. Aber heißt es nun (1) ein Paar neue Schuhe oder (2) ein Paar neuer Schuhe?

Beides ist richtig. Nach ein Paar kann die folgende Angabe als Apposition (1) oder im Genitiv (2) stehen. Die Apposition ist heutzutage die häufigere Variante und wird sich vermutlich langfristig durchsetzen.

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Das Neuner-ABC: Was ist das?

Das Neuner-ABC: Eine Oberin kellnert nicht

Wer die Frau Ober nicht so maskulin bezeichnen möchte, sollte sich für die Kellnerin entscheiden. Oberinnen leiten nämlich Frauenkloster und dienen damit einer höheren Macht als hungrigen Gästen.

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Das Neuner-ABC: Was ist das?

Das Neuner-ABC: Von eifernden Nachahmern

Sie ahmte lieber den Klassenclown nach, statt dem Streber nachzuahmen.

Im Beispiel haben wir zweimal nachahmen, doch im ersten Fall steht es mit dem Akkusativ (den Klassenclown), im zweiten mit dem Dativ (dem Streber). Hängt das mit den unterschiedlichen Bedeutungen des Wortes zusammen?

Sie äffte lieber den Klassenclown nach, statt dem Streber nachzueifern.

Die richtigen Synonyme haben wir nun gefunden, einmal nachäffen, kopieren, einmal nacheifern, nachstreben, sich jemanden zum Vorbild nehmen.

Tatsächlich scheint es also, dass  in ersterer Bedeutung mit dem Akkusativ, in zweiterer mit dem Dativ verbunden wird. Und tatsächlich wird gelegentlich diese Meinung vertreten.

Der heutige Gebrauch widerspricht dem aber, denn in der Regel wird nachahmen in der einen wie der anderen Bedeutung mit dem Akkusativ gebraucht.

Sie ahmte lieber den Klassenclown nach, statt den Streber nachzuahmen.

Der Dativ wird dagegen eher als ungewöhnlich betrachtet. Ohnehin wird nachahmen in der Bedeutung nacheifern nur noch selten gebraucht.

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Das Neuner-ABC: Was ist das?

Aus Prinzip Partizip?

(1) Lachend ging Tom die Straße entlang.

„Lachend“ ist ein Partizip, Partizip I, um genau zu sein. Es wurde aus dem Verb „lachen“ gebildet und drückt im Prinzip eine zweite Tätigkeit aus, die einer ersten untergeordnet ist.

Tom tut also in unserem Beispiel zwei Dinge: Er geht und er lacht.

(2) Tom ging die Straße entlang und lachte.

Trotzdem merken wir schon, wie sich mit dem Partizip die Betonung verschiebt. Der Schwerpunkt der Aussage in Beispiel (1) liegt darauf, dass Tom die Straße entlang geht.

Das Partizip kann nun noch erweitert werden:

(3) Laut lachend ging Tom die Straße entlang.

(4) Über einen Witz lachend ging Tom die Straße entlang.

Spätestens in Beispiel (4) wird der Satz langsam unübersichtlich, selbst dann, wenn man zur besseren Übersichtlichkeit das mögliche Komma setzt. Dennoch kann gerade hinsichtlich der Betonung die partizipiale Konstruktion erwünscht sein. Auch der sprachliche Rhythmus könnte die Entscheidung des Autors zugunsten des erweiterten Partizips beeinflussen.

Im Lektorat fällt mir aber immer mal wieder ein sehr inflationärer Gebrauch solcher Partizipialkonstruktionen (satzwertiges Partizip, Patizipialsatz) auf. Das mag zum einen daran liegen, dass der Autor das für einen besonders literarischen Stil hält, zum anderen an dem Bedürfnis, viel Information auf engem Raum zusammenzubringen.

Während Ersteres zumindest pauschal so nicht stimmt, ist Letzteres für einen literarischen Text alles andere als erstrebenswert. Denn wir schreiben ja nicht an einem möglichst informativen Artikel, für den uns nur begrenzter Raum zur Verfügung steht. Ganz im Gegenteil: Wir schreiben eine Geschichte, die durchaus mit Informationen geizen darf und soll, nicht aber mit den Sätzen, in denen sie dem Leser diese Informationen vermittelt.

Und eine Geschichte wird durch aktive Handlung getragen. Mit Partizipialsätzen erreicht man aber das genaue Gegenteil. Sie drücken nur noch sehr abgeschwächt Handlung aus, sind nicht selten bloßes Attribut. Dazu kommt noch, dass sie für den Leser inhaltlich schwieriger aufzunehmen sind und für den Autor oft alles andere als leicht zu händeln, vor allem, weil man genau darauf achten muss, dass der richtige Bezug unmissverständlich hergestellt werden kann (5).

Zusammenfassend kann man also sagen:

  1. Partizipialsätze können wünschenswert sein, wo sie der gewünschten Absicht entsprechen.
  2. Partizipialsätze können einen Text auflockern.
  3. Partizipialsätze sollten sparsam eingesetzt werden und einen Text niemals beherrschen.
  4. Achte auf Verständlichkeit (5).
  5. Erschaffe keine „Partizipmonster“ (6).

(5) Mit Bier angefüllt gab ich meinem Freund das Glas.

(6) Er ging seinen MP3-Player aus der Hosentache holend und AC/DC, seine Lieblingsband, heraussuchend die Straße entlang