Ring, ring!

Lektoratspraxis, Foto: Dmitriy Shironosov

© Dmitriy Shironosov

Ich bin nicht unbedingt der Telefonator. Nein, nein, ich denke schon, dass ich diese Praxis einigermaßen beherrsche, sie liegt mir nur nicht so besonders. Dennoch glaube ich, dass es gerade für Kunden, die sich in einem Coaching befinden oder die ein Textgutachten in Auftrag gegeben haben, in der Regel effektiver ist, den Text am Telefon zu besprechen, als meine Ausführungen per Mail zu erhalten. Ein direkter Austausch, der die Möglichkeit zu Rückfragen und Diskussion beinhaltet, ist hier schließlich durchaus sinnvoll. Optimal ist meiner Ansicht nach eine Kombination aus schriftlichen Stichpunkten und dem telefonischen Austausch darüber.

Der Begreifler über Charaktere mit Figur

Der Begreifler, Foto: Stocksnapper

© Stocksnapper

Vor einiger Zeit fiel mir in einem Forum eine Diskussion darüber auf, ob Blogger, die bei Buchbesprechungen von Charakteren statt von Figuren schreiben, damit einen (unverzeihlichen) Fehler begehen. Ersterer Begriff sei eine unzulässige Eindeutschung aus dem Englischen, die man dringend zu vermeiden habe.

Stimmt das? Und wenn nicht, sind dann die Begriffe vollständig synonym?

Jedenfalls sind Figuren (außer im Falle einer ironisierenden oder abwertenden Bezeichnung) keine Personen. Personen sind etwas Reales, sind oder waren einmal wirklich am Leben. Figuren dagegen werden künstlich erschaffen, im Falle der Literatur also als Teil der Fiktion (selbst dann, wenn sie sich an realen Vorbildern orientieren).

Jeder und jede, der/die in einer Fiktion seinen/ihren Auftritt hat, ist also eine Figur. Manche von ihnen treten allerdings nur als Typen auf, andere sind echte Charaktere. Zu dieser Unterteilung heißt es bei Wilpert:

Type, Typus (griech. typos = Schlag, Gestalt), bestimmte überindividuell unveränderl. Figur mit feststehenden Merkmalen […]

Charakter (griech. = das Eingeprägte), in der Literaturwissenschaft allg. jede in e. dramat. oder erzählerischen Werk auftretende, der Wirklichkeit nachgebildete oder fingierte, aber durch individuellere Charakterisierung in ihrer persönl. Eigenart von den bloßen unprofilierten Typen abgehobene Figur einer Dichtung.

Gero von Wilpert, Sachwörterbuch der Literatur, Stuttgart 1989

Wir haben es also in literarischen Werken mit Figuren zu tun, die entweder nur einen bestimmten Typus* (der Polizist, der Bote) verkörpern oder aber individuell gestaltete Charaktere sind.

*Natürlich können Typen auch versehentlich entstehen, wenn es dem Autor nicht gelingt, eine Figur individuell zu charakterisieren, im Allgemeinen darf man aber davon ausgehen, dass hinter der Verwendung eines Typus durchaus Absicht steckt.