Job-Oldies: Kotzenmacher

Beinahe verwunderlich, dass dieser Begriff nicht längst in der Jugendsprache wiederbelebt wurde. Ursprünglich bezeichnete er aber einen ganz harmlosen Beruf.

Die Kotze (auch der Kotzen), die der Kotzenmacher herstellte, war eine grobe Wolldecke oder ein Überwurf. Das Wort ist verwandt mit dem niederdeutschen Kodder, das einen alten Lappen oder Lumpen bezeichnet. Außerdem mit der Kutte und mit englisch coat = Mantel.

Tatsächlich wird der Begriff Kotze in diesem Sinne noch immer verwendet, wie sich bei Wikipedia nachlesen lässt.

Der derbe Ausdruck für Erbrochenes hat sich übrigens wahrscheinlich aus dem spätmittelhochdeutschen koppen entwickelt, das so viel wie speien bedeutet, verrät das Duden-Herkunftswörterbuch. Er ist also mit dem hier gemeinten Begriff nicht näher verwandt.

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Doppelte Leerstellen

Es geht ganz schnell und schon hat man einmal zu oft die Leertaste gedrückt. Im Schreibprogramm fällt das meist gar nicht so ohne Weiteres auf. Selbst beim Überarbeiten übersieht man die überzähligen Leerzeichen schnell.

Abhilfe schafft hier das Zuschalten der Formatierungszeichen, die nur im Programm angezeigt werden und nicht etwa auf einem Ausdruck zu sehen sind. Lässt man die Leerzeichen anzeigen, wird jedes Leerzeichen mit einem Punkt markiert. Wo zwei (oder mehr) Punkte angezeigt werden, ist (mindestens) einer zu viel.

Zu finden sind die Formatierungszeichen in der Regel über die Optionen des Schreibprogramms. So zum Beispiel (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) in

  • Word:
    Extras – Optionen – Ansicht – Formatierungszeichen: Häkchen bei Leerzeichen,
  • Open Office:
    Extras – Optionen – OpenOffice.org Writer – Formatierungshilfen: Häkchen bei Leerzeichen,
  • TextMaker:
    Weiteres – Einstellungen – Ansicht – Nichtdruckbare Zeichen anzeigen: Häkchen bei Leerzeichen.

Schön und gut, aber wer hat Lust, bei der Überarbeitung eines langen Textes unendlich viele Punkte zu zählen?
Glücklicherweise ist das nicht nötig, denn es gibt einen kleinen Trick:

In den meisten Schreibprogrammen findet man über das Menü „Bearbeiten“ zum Befehl „Ersetzen“ (Open Office: „Suchen & Ersetzen“). Gibt man nun im Feld „Suchen“ zwei Leerstellen ein und im Feld „Ersetzen“ nur eine, dann lassen sich alle doppelten Leerzeichen mit minimalem Aufwand ersetzen. Wer ein bisschen mutig ist, kann auch gleich auf „Alle ersetzen“ klicken.

Über Gänsefüßchen stolpern

Sie sind schon so klein und doch kann man leicht darüber stolpern, Anführungsstriche oder die sogenannten „Gänsefüßchen“. Denn neben der Kennzeichnung der wörtlichen Rede oder von Zitaten stehen Gänsefüßchen eben vor allem für das Sogenannte. Das, von dem man deutlich machen will, dass es eigentlich gar nicht so gemeint ist, dass man sich von dem Ausdruck, der eingefüßelt wird, meist in ironischer Weise distanziert.

Diesmal hat er nicht gewonnen, sondern ist „nur“ Zweiter geworden.
Seine „selbstlose“ Liebe ging so weit, dass er sie im Keller einsperrte.

Sind sie in diesen Beispielen ein eindeutiges Stilmittel, das wie jedes andere Stilmittel sparsam angewandt die erwünschte Wirkung beim Leser erzielt, scheint es einen Trend zu geben, Texte möglichst witzig zu gestalten, indem man über ihnen einen ganzen Sack dieser Gänsefüßchen ausschüttet. Bei manchem Romanmanuskript eines angehenden Autors könnte man sich fragen, warum er nicht einfach den gesamten Text in Anführungsstriche gesetzt hat. Das hätte sogar noch weniger Mühe gemacht, als am Ende den Hinweis zu setzen, dass der ganze Text eigentlich nicht so gemeint war.

Da trifft man dann während des Lesens auf Sätze wie:
Sie „begrabbelten“ sich.
Er ging ihr mächtig auf den „Keks“.
Nach den Anstrengungen des Tages gingen sie völlig geschafft „pennen“.

Zunächst muss der Leser kapieren, dass, wie es die Gänsefüßchen vermuten ließen, die Akteure nicht etwa das Gegenteil von dem tun, was der Erzähler ihnen andichtet, sondern dass sie sich tatsächlich begrabbeln, auf den Keks gehen oder in die Falle fallen. Was also bezweckt der Autor mit den Latschen des Federviehs?

Nun, er meint, diese Vermutung liegt zumindest nahe, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen hofft er, damit einen ironischen Grundton in seinen Text zu bringen, zum anderen entschuldigt er sich gleichzeitig für die umgangssprachliche Ausdrucksweise.

Nun ist es zum einen durchaus das Recht eines Autors, in seinem Text, so es denn zum Stil des Textes, zum Erzähler oder zur Figur passt, Umgangssprache zu verwenden, zum anderen verstärken die Gänsefüßchen eher noch den Eindruck der Unsicherheit auf Seiten des Autors. Man fragt sich, ob er, statt sich bewusst dafür zu entscheiden, einen Ausdruck nicht eher aus Verlegenheit gewählt hat. Die häufig noch zunehmende Fülle an Gänsefüßchen, die schließlich auch vor völlig unproblematischen Ausdrücken nicht mehr Halt machen (Leise „schlichen“ sie sich an.) verstärkt einen solchen Eindruck noch.

Ähnliches kann man übrigens nicht nur in Romanmanuskripten beobachten. So wirkt auch ein Bewerbungsschreiben nicht dadurch betont locker, dass der Bewerber umgangssprachliche Ausdrücke benutzt, diese dann aber in Gänsefüßchen setzt, um sich gleich wieder davon zu distanzieren. Entweder man steht dazu oder man verabschiedet sich besser ganz von der Umgangssprache. Locker wird ein Text im Übrigen eher durch einen insgesamt geübt lockeren (z.B. verbalen) Stil.

Plappermäulige Blicke

Hoffend sah ich sie an. Sie warf mir einen vielsagenden Blick zu und mir wurde ganz heiß.

In der Regel sagt so ein vielsagender Blick nur eines: Hier weiß jemand den Blick nicht zu deuten oder sich nicht auszudrücken. Im günstigsten Fall ist es die Figur, in den weitaus meisten Fällen ist es leider der Autor. Vor allem in den Texten von Schreibanfängern tummeln sich die vielsagenden Blicke an jeder Ecke. Dieses Geschnatter und Geplapper ist kaum auszuhalten. Mal ein vielsagender Blick wäre ja noch in Ordnung. Auf die Dauer kann man vom Autor aber durchaus verlangen, sich ein bisschen mehr Mühe zu geben, einerseits der Abwechslung wegen, andererseits, weil ein Blick eben so viel mehr (und Subtileres) sagen kann als viel.

Übrigens sind tiefgründige Blicke meist nicht weniger oberflächlich. Und auch ein hintergründiges Lächeln sollte nicht ständig in den Vordergrund gerückt werden.