Formfehler

Es ist schön, wenn die Gedanken fließen. Erst einmal. Irgendwann, und sei es, nachdem sie komplett in die erste Manuskriptfassung geflossen sind, sollte man sie auch einmal ordnen. Das meine ich nicht nur inhaltlich, sondern auch formal.

Immerhin wissen die meisten Schreiber, dass man einen Roman in Kapitel unterteilen kann. Aber bei manchem hört dann die Ordnungswut schlagartig auf und er überlässt diese Arbeit dem Leser. Der wird sich bedanken und bald ermüdet aufgeben. Denn niemand will einen Text lesen, der sich vom Anfang in einem riesigen schwarzen Block bis zum Ende zieht. Also heißt es: Mut zum Weiß.

Die Absatzgestaltung ist Aufgabe des Autors! Seltsamerweise haben viele der angehenden Autoren Schwierigkeiten damit, scheuen sich, Absätze zu setzen, weil sie nicht wissen, wo. Ich sage, im Zweifel besser zu viele als zu wenige.

Besser wäre natürlich, würde der Autor seine Absatzgestaltung inhaltlich begründen können. Absätze dienen nämlich der Untergliederung eines Textes in Sinneinheiten.

Wie genau der Autor seinen Text untergliedert, ist ihm überlassen. In der Regel bietet es sich aber an, den längeren Text zunächst in Kapitel, dann in einzelne Szenen und schließlich in die eigentlichen Absätze zu teilen.

Dabei werden die Szenen jeweils deutlicher voneinander getrennt, als die weiter gliedernden Absätze, so zum Beispiel durch eine Leerzeile. Szenen ergeben sich dabei häufig durch einen Wechsel der Zeit, des Ortes und / oder der Figuren. Jede bessere Szene hat ihre eigene Dramaturgie, ihren eigenen Konflikt und ihren eigenen Höhepunkt.

Aber auch innerhalb einer solchen Szene gibt es kleinere Sinneinheiten, denen wir jeweils kleine Überschriften geben könnten (die natürlich nicht im fertigen Manuskript auftauchen!). Stellen wir uns eine Szene vor, in der eine Frau ein Essen zubereitet, während sie darauf wartet, dass ihr verhasster Mann nach Hause kommt. Wir unterteilen diese Szene in 5 Absätze (ohne Leerzeilen):

  1. Sie kocht:
    Die Frau ist mit Tätigkeiten des Kochens beschäftigt (Rühren, Würzen, usw.).
  2. Sie denkt an ihren Mann:
    Ihre Gedanken schweifen ab und sie resümiert den Niedergang der Beziehung zu ihrem Mann.
  3. Das Essen droht zu verbrennen:
    Die Frau wird in die Gegenwart zurückgerissen, gerät in Panik, kann das Essen aber noch retten.
  4. Das Gift:
    Die Frau holt eine Flasche aus dem Schrank, auf der ein Totenkopf zu sehen ist. Vorsichtig gibt sie ein paar Tropfen ans Essen.
  5. Ruhe:
    Die Frau setzt sich an den Küchentisch und zündet sich lächelnd eine Zigarette an. Der Absatz beschließt die Szene.

Die nächste Szene beginnt damit, dass die Frau den Mann nach Hause kommen hört.

Wie gesagt: Wie genau der Autor die Absätze wählt, ist seine Sache. Hauptsache, er untergliedert überhaupt. Besser noch: Seine Untergliederung lässt sich vom Leser nachvollziehen!

Immer diese ersten Seiten

Hans Peter Roentgen hat seinen Schreibratgeber entsprechend aufgebaut: „Vier Seiten für ein Halleluja“. Er bewertet die ersten Seiten von Manuskripten, die Autoren ihm zugesandt haben, und gibt an diesen Beispielen Tipps, wie man es besser machen kann. Immer wieder heißt es, gerade die ersten Seiten zählen, will man sich um einen Programmplatz in einem Verlag bewerben. Dem kann ich mich nur anschließen.
Andererseits beklagen abgelehnte Autoren häufig, die wenigen Seiten Leseprobe, die sie dem Verlag vorlegen durften, seien möglicherweise nicht aussagekräftig gewesen, um das gesamte Manuskript zu repräsentieren. Dem entgegnet Joachim Jessen, Literaturagent bei der Agentur Schlück (bei einem Vortrag zum Montsegur-Treffen 2009), dass man kaum erwarten könne, wenn die ersten 50 Seiten nicht wirklich gut gewesen seien, es würde danach plötzlich merklich besser werden.
Nach meiner Erfahrung mit Manuskripten noch unerfahrener Autoren ist häufig sogar das Gegenteil der Fall. Seltsamerweise geht es mir oft so, dass ich die ersten Seiten noch mit verhältnismäßigem Vergnügen lesen kann, dann geht es plötzlich steil bergab. Das betrifft vor allem die sprachliche Gestaltung.
Warum das so ist, kann ich nur vermuten. Wahrscheinlich ist sich der Schreiber während der ersten Seiten (manchmal Sätze) noch besonders bewusst, was er da eigentlich vollbringen will. Er wählt seine Worte mit Bedacht. Irgendwann reißt ihn dann die eigene Geschichte mit sich und er schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.
Wenn dem so ist, kann ich nur raten: Versuche dir diese bewusste Stimmung zu bewahren. Mach öfter mal eine Pause und lies, was du gerade geschrieben hast. Schau immer mal wieder auf deinen Manuskriptanfang und vergleiche ihn mit dem, was du geschrieben hast, als die Geschichte dich in ihren Bann gezogen hat.

Montségur-Experten auf DVD

Aus dem Montségurforum:

Liebe Gäste des Montségur-Forums,

zum ersten Mal bietet sich nun die Möglichkeit, Einblick in unser jährliches Mitgliedertreffen zu nehmen, das, wie schon in den Jahren zuvor, mit Vorträgen und Workshops angefüllt war. Wir haben die Vorträge gefilmt, geschnitten und bearbeitet.

Das Ergebnis ist eine DVD-Box mit 2 randvollen DVDs mit insgesamt ca. 8 Stunden Vorträgen.

Ab sofort kann diese DVD-Box bestellt werden, wenn auch nur gegen Vorkasse.

Die Box kostet 24,90 zzgl. 3,50 für Porto und Versand.

Alle Details und die Bestellinformationen stehen hier: www.montsegur.de/dvd

Die Vorträge im Detail:

Von unheilbaren Psychopathen und liebenswerten Schurken — Was zeichnet einen Bösewicht aus?
Dr. Melanie Metzenthin arbeitet als Ärztin in der Psychiatrie und ist Romanautorin

Zusammenarbeit Autor — Agent — Verlag
Joachim Jessen ist Literaturagent und arbeitet für die renommierte Literaturagentur Schlück

Autoren(selbst)marketing, neue Medien und virale Effekte
Dominik Huber arbeitete für Droemer/Knaur als Leiter Internet Communications und ist heute auf diesem Gebiet selbstständig

Wie die Jungfrau zum Kind … oder „Warum werden Bücher Bestseller?”
Podiumsdiskussion mit Dominik Huber (Buchmarketing), Joachim Jessen (Literaturagent), Juliane Korelski (Buchhändlerin und Autorin), Andrea Schacht (Autorin), moderiert von Jürgen Bräunlein (Autor)

Leben als Autor (Selbstzweifel, Motivation, Rituale)
Titus Müller ist Autor und Vorsitzender des Autorenkreises Historischer Roman e.V., Quo Vadis

Witz bleib’ drin, du bist umzingelt! — Schreiben mit Ironie
Jürgen Bräunlein ist Autor und Journalist

Wer hat Angst vorm bösen Literaturwissenschaftler?
Ole Johan Christiansen und Thomas Plischke sind Autoren Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg

Thema — Die DNS der Geschichte
Kathrin Sebens ist Sachbuchautorin und Journalistin

Wir freuen uns über möglichst viele Bestellungen, denn die Einnahmen werden direkt an diejenigen ausgeschüttet, deren Mühe es war, also unser Kameramann und Schnittmeister, André Wiesler, und natürlich die Vortragenden selbst. Ihr unterstützt daher mit dem Kauf nicht nur euren Informationshunger, sondern auch direkt die Experten, von denen das Wissen stammt – ein fairer Deal für hochwertige Informationen aus erster Hand.

Lieben Gruß und viel Spaß damit,

Andreas