Fragen aus dem Lektorat

Lektoratspraxis, Foto: Dmitriy Shironosov

Lektoratspraxis
Foto: © Dmitriy Shironosov

Sollte das nicht “Hamster” heißen? Wieso geht A hier nach B? Warum schreiben Sie hier so ausführlich? Wäre es nicht besser, hier in der Perspektive des Protagonisten zu bleiben?

Kennst du solche oder ähnliche Fragen aus dem Lektorat? Oder leitet deine Lektorin manchen Kommentar mit Formulierungen ein wie: Ich verstehe nicht, warum …”, “Hier wird mir nicht klar, weshalb …”, “Hab ich das übersehen, oder fehlt hier …”

Anstrengend, oder? Da hofft man auf Hilfe bei seinem Manuskript und dann muss man erst mal ellenlange E-Mails schreiben, in denen man der auf der Leitung stehenden Lektorin (die natürlich auch ich oder ein anderer männlicher Vertreter dieser Zunft sein kann) die Welt erklären muss.

Mein Tipp: Lass sie oder ihn dumm sterben. Tatsächlich handelt es sich ohnehin in den meisten Fällen um rhetorische Fragen und Floskeln, die dich nicht zu Erklärungen herausfordern sollen, die du ja dem Leser ohnehin schuldig bleiben müsstest, sondern die als höflicher Hinweis gemeint sind, dass da möglicherweise im Text etwas nicht stimmt oder nicht deutlich wird.

Anruf von der Küchenchefin

Vom Schreibtisch, Foto: sukiyaki

Vom Schreibtisch
(Foto: © sukiyaki)

Bereits im April des vergangenen Jahres durfte ich für die Autorenzeitschrift Federwelt in der Textküche herumrühren. Nun hat Küchenchefin Anke Gasch wieder angerufen. Ich werde also im kommenden Jahr ein weiteres Mal rühren (diesmal werden Konflikte angerichtet).

Darüber hinaus werde ich ab 2014 wohl des Öfteren Artikel für die Federwelt schreiben (und das dann natürlich rechtzeitig hier ankündigen).

Der Begreifler über Textredaktion

Der Begreifler, Foto: Stocksnapper

Der Begreifler
(Foto: © Stocksnapper)

Textredaktion ist das, was dem Verlagsautor im Verlagslektorat automatisch zukommt. Zumindest sollte es so sein. Der Lektor, der dann auch Redakteur genannt wird, arbeitet so lange mit dem Autor am Text, bis eine Version entstanden ist, die (hoffentlich) beide zufriedenstellt, und die nur noch das abschließende Endkorrektorat benötigt, um Druckreife zu erlangen.

Dazu durchläuft der Text mehrere Lektoratsdurchgänge, manchmal sogar bei zwei oder mehr Redakteuren. Oft konzentrieren sich die einzelnen Durchgänge dabei auf verschiedene Schwerpunkte, so wird etwa im ersten Durchgang vorwiegend auf inhaltliche Probleme – Unstimmigkeiten im Plot, logische Fehler, Schwächen in der Figurencharakterisierung und -entwicklung, Recherchefehler usw. – geachtet. Nach jedem Durchgang erhält der Autor den redigierten Text mit Anmerkungen und/oder Korrekturen zurück, um diese einzuarbeiten oder auch zu diskutieren.

Was im Verlagskorrektorat Standard ist, würde für den Autor, der auf die Arbeit eines freien Lektors angewiesen ist, leider einen enormen Kostenaufwand bedeuten (der natürlich für den Verlag letztlich ebenso besteht). Verständlicherweise beschränken sich die meisten Kunden eines freien Lektors daher auf einen einzigen Lektoratsdurchgang. Dass damit letztlich kein perfektes Ergebnis erzielt werden kann, sollte einleuchten und beruht im Wesentlichen auf drei Faktoren:

  1. Der Ausgangstext hat in der Regel keiner Qualitätsprüfung standhalten müssen. Das Endergebnis ist aber wesentlich von der Qualität des Ausgangsprodukts abhängig. Das gilt nicht nur beim Kochen.
  2. Ein Lektor ist kein Wunderkind. Auch er kann nicht alle Schwächen auf Anhieb ausmachen, nicht jeden Fehler beim ersten Korrigieren entdecken und schon gar nicht bei einmaligem Lesen alle Textzusammenhänge erfassen. Das gilt besonders, wenn der Lektor eben nicht nur im Sinne eines Korrektors eine Fehlerkorrektur durchführen, sondern gleichzeitig Sprach- und Erzählstil verbessern sowie möglichst alle inhaltlichen Probleme erfassen soll.
  3. Bei einem solchen Lektorat bildet die Arbeit des Autors den Abschluss. Er muss die Anmerkungen des Lektors umsetzen (wenn er sich der Meinung des Lektors überhaupt anschließt) und entsprechende Änderungen sowie Korrekturen vornehmen. Eine abschließende Kontrolle, ob diese Überarbeitung zu einem gelungenen Ergebnis geführt und nicht etwa neue Probleme herbeigeführt hat, bleibt aus.

Wer also bereit ist und die Möglichkeit hat, mehr zu investieren, sollte nach dem Lektorat mindestens noch ein Endkorrektorat in Auftrag geben. Manche Lektoren bieten dieses deutlich günstiger (oder gleich im Paket) an. Eventuell gilt das auch für eine echte Textredaktion mit mehreren Lektoratsdurchgängen. Der Textredaktion ähnliche Angebote sind Coaching beziehungsweise Projekt-/Manuskriptbetreuung.

Seminare aussuchen

Literaturbetrieb, Foto: Vladimir Melnikov

Literaturbetrieb
(Foto: © Vladimir Melnikov)

Die Bastei Lübbe Acadamy hat die neuen Schreibkurse online gestellt. Ob du erst einmal einen Schnupperkurs belegen willst, dich für das Schreiben von Regionalkrimis interessierst oder ob Fantasy dein Genre ist, wenn du früh buchst, gibt es 15 Prozent Rabatt. Und in nächster Zeit folgen noch weitere Angebote.

Mehr Infos auf auf der Homepage der Acadamy.

Der Romanschreiber

Hilfe für Autoren, Foto: rineca

Hilfe für Autoren
(Foto: © rineca)

Ich habe eine neue Reihe bei “Hilfe für Autoren” gestartet, die in den kommenden Wochen und Monaten fortgesetzt werden wird. Ziel ist es, mit den Artikeln besonders praxisnahe Tipps rund um das Planen, Schreiben und Publizieren eines Romans zu geben. Daher werde ich auch (anders als sonst) weniger versuchen, möglichst unmfänglich verschiedene Möglichkeiten und Herangehensweisen darzulegen, sondern mir besonders hilfreich erscheinende Methoden in den Mittelpunkt zu rücken und an Beispielen vorzuführen. Aber lest selbst.

Von .docx bis .tmd

Lektoratspraxis, Foto: Dmitriy Shironosov

© Dmitriy Shironosov

Das meistverbreitete Textprogramm ist immer noch Word, aber nicht jeder schreibt seine Texte mit dem Microsoftprogramm. Immerhin sind auch die Konkurrenten meist in der Lage, Worddokumente zu lesen oder gar zu erzeugen. Umgekehrt können die neueren Versionen von Word auch endlich mit dem .odt-Format umgehen. Schließlich gibt es ja noch .rtf, das jedes bessere Schreibprogramm beherrscht. Der Austausch von Texten sollte also heutzutage kein Problem mehr darstellen, auch wenn Sender und Empfänger verschiedene Programme nutzen.

Leider stimmt das nicht so ganz, denn vollständige Kompatibilität ist eben doch nie gegeben. Das gilt auch und besonders für die bei Korrektorat und Lektorat so wichtigen Änderungs- und Kommentarfunktionen. Da verschwinden beim Öffnen oder (besonders tückisch) beim Speichern schon mal Kommentare oder Änderungen werden nicht mehr angezeigt.

Die beste Lösung ist daher, wenn der Korrektor/Lektor und der Autor des Textes das gleiche Textprogramm nutzen. Wer mit Word schreibt, kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass der Lektor ebenfalls Wordbesitzer ist. Autoren, die nicht mit Word ausgestattet sind, sollten auf jeden Fall nachfragen, ob der Lektor vielleicht doch auch die entsprechende Alternative auf dem Rechner hat. In meinem Fall wären das etwa OpenOffice Writer und TextMaker. Theoretisch sogar noch weitere Programme, die aber wohl ewig auf ihren Einsatz im Lektorat warten dürften.

Mein Tipp: Natürlich wäre es blödsinnig, sich den Lektor passend zum eigenen Textprogramm zu wählen. Aber statt die eigenen Texte stillschweigend in das passende Dokumentenformat umzuwandeln und zu hoffen, dass bei der Rückumwandlung so viel wie möglich erhalten bleibt, sollte man sich vorher mit dem Lektor oder der Lektorin abstimmen. Eventuell kann eine der beiden Parteien sich durchringen, sich ein weiteres Programm auf den Rechner zu laden. Notlösung könnte (zumindest bei kürzeren Texten) auch der gemeinsame Einsatz von Online-Textverarbeitungen wie der von Google Drive oder der Word Web App sein. Und schließlich bleibt die Möglichkeit, die Änderungs- und Kommentarfunktionen nicht zu verwenden und sich auf alternative Kennzeichnung zu einigen.

Der Begreifler über Antagonisten

Der Begreifler, Foto: Stocksnapper

© Stocksnapper

Der Antagonist eines literarischen Werkes ist der Gegner des Protagonisten. Haben wir in einem literarischen Text genau zwei Figuren, kann man davon ausgehen, dass eine der Prota-, die andere der Antagonist ist. Denn ohne gegnerische Kräfte fehlt die dramatische Spannung.

Gegner ist aber nicht unbedingt gleichbedeutend mit Feind. Stellen wir uns als alleinige Figuren eines Textes ein Liebespaar vor, Tom und Marry. Tom bringt beim Frühstück das Thema nächster Urlaub auf den Tisch, Marry aber will das Thema abwenden, da sie plant, ihn mit einer Reise zu überraschen, die er sich schon immer gewünscht hat. Feinde sind die beiden ganz offensichtlich nicht. Aber – und das ist das Entscheidende – sie tragen einen Konflikt aus. In diesem Konflikt sind sie Gegner. Einer der beiden ist Protagonist, einer Antagonist.

Verteilt sind diese Rollen je nach dem Wunsch des Autors abhängig davon, wer im Mittelpunkt der Erzählung steht, wessen Geschichte also erzählt wird. Die Geschichte von Tom, dessen Ziel es ist, die Urlaubsfrage zu klären? Dann ist Marry die Antagonistin, deren Interessen dem Ziel des Protagonisten entgegenstehen, denn sie will nicht, dass die Urlaubsfrage tatsächlich zu diesem Zeitpunkt am Frühstückstisch geklärt wird. Soll Marry die Protagonistin sein, dann verfolgt der Leser ihren Kampf darum, die Überraschung vor Tom zu verbergen. Ohne über die Umstände Bescheid zu wissen, wird er zum Antagonisten, weil sein Ziel dem ihren entgegensteht.

Erzählen wir die Geschichte, in der Tom der Protagonist, Marry die Antagonistin ist, über den Frühstückstisch hinaus, vielleicht in einer Komödie, in der sich aus dem oben geschilderten zentralen Konflikt weitere Verwirrungen und Verstrickungen ergeben, an denen weitere Figuren teilhaben, bleibt doch er der Protagonist, sie die Antagonistin. Nur weil Marry ihre beiden Freundinnen einspannt, ihr bei der Vertuschung ihrer Überraschung zu helfen, hat Tom es nicht auf einmal mit drei Antagonistinnen zu tun. Die Freundinnen sind Nebenfiguren. Sie unterstützen die Antagonistin in deren Interesse, sind ihre Handlangerinnen auf dem Weg, ihr Ziel zu erreichen, während ihre jeweils eigenen Hauptinteressen und -ziele ganz andere sind, die für die Geschichte unseres Protagonisten und den zentralen Konflikt vielleicht überhaupt keine Rolle spielen. Und auch der Typ, der Tom zufällig gerade dann die Tasche klaut, als der sich im Reisebüro Prospekte für die Urlaubsplanung besorgt hat, wird dadurch nicht zum Antagonisten, obwohl er für Tom ein Hindernis auf dem Weg zu seinem großen Ziel darstellt.

So wie der Protagonist der Haupthandelnde ist, der den zentralen Konflikt auszutragen hat, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, ist der Antagonist der Hauptgegner in diesem Konflikt. Alle anderen, die dem Prota irgendwie einen Strich durch die Rechnung machen oder machen wollen, sind antagonistische Kräfte. Solche, die den Antagonisten direkt unterstützen, solche, die dem Protagonisten aus irgendwelchen Gründen auf eigene Rechnung das Leben schwermachen, und solche, die nur versehentlich im Weg stehen.

Zwei gleichrangige Antagonisten kann es dennoch geben, wenn etwa Tom ein Kind ist, dessen Eltern als Antagonisten einfach nicht zulassen wollen, dass er seine Geburtstagsüberraschung vorfristig aufdeckt. Und es geht noch mehr:

Nicht Marry hat etwas dagegen, dass sie gemeinsam einen Urlaub planen, sondern

  • der innere Schweinehund Toms, der den Urlaub lieber im heimischen Fernsehsessel verbringen würde (innerer Konflikt),
  • Toms Schäferhund, der Lunte riecht und nicht allein bleiben will,
  • verschiedene äußere Umstände, die immer wieder verhindern, dass Tom Marry seine Absicht zur Urlaubsplanung antragen kann,
  • die Kellertür, hinter der Tom sich versehentlich eingesperrt hat, als er eine Flasche Wein holen wollte,
  • das Haus, das in einem Horrorszenario verhindern will, im Urlaub allein zu bleiben.

Der Antagonist (bzw. die antagonistische Kraft) muss also nicht immer eine (menschliche) Figur sein.

Recht vor link: Angemessen?

Recht vor link, Foto: Szekeres Szabolcs

© Szekeres Szabolcs

Die Möglichkeiten für Autoren, ihre Werke zu veröffentlichen, haben sich in den letzten Jahren vervielfacht. Galt vor gar nicht allzu langer Zeit Selfpublishing bestenfalls für Werke der kleinen Nische als öffentlich vertretbar, ansonsten als die Notalternative für diejenigen, die entweder nicht die Qualität oder die Geduld mitbrachten, die der Weg in den Publikumsverlag erforderte, scheint diese Alternative inzwischen attraktiver als je zuvor. Und mancher Autor selbst unter denen, für die bis vor Kurzem nur der klassische Verlagsweg als Ziel in Frage kam, kommt inzwischen immer wieder in Verlegenheit, vor sich selbst oder anderen, dieses Ziel zu rechtfertigen.

Das gilt vor allem für das E-Book, bei dem ganz besonders ein klassischer Verlagsvorteil zunehmend in den Hintergrund rückt (was, das sei hier nebenbei angemerkt, meiner Meinung nach keine nicht umkehrbare Entwicklung ist), nämlich der der Verbreitung des Werkes und damit der Verfügbarkeit für den lesenden Endverbraucher.

Im Printbereich sieht das anders aus. Hier haben die Verlagsbefürworter neben anderen noch immer ein schlagendes Argument: das Marketing und die Verfügbarkeit im stationären Buchhandel. Nicht umsonst trat das Selfpublishing, das für sich genommen ja keine neue Erfindung ist, seinen Siegeszug erst mit dem E-Book im Allgemeinen und den Möglichkeiten, die amazon mit KDP bot, im Speziellen an.

Doch lügt sich der Verlagsautor nicht auch mit diesem Argument in die eigene Tasche? Das wird ihm wenigstens immer häufiger entgegengehalten. Nicht zu unrecht, denn auch die Marketingbudgets der Verlage sind begrenzt. Vor allem werden sie ungleich verteilt. Ein geringer Prozentsatz, die Spitzentitel, also diejenigen im aktuellen Programm, denen der Verlag das größte Absatzpotenzial zuspricht, bekommt nahezu alles, der Rest geht mehr oder weniger leer aus. Schmilzt dem Midlist-Autor also selbst dann, wenn er im großen Verlag erscheint, das Marketingargument hinweg?

Und Moment mal! Was steht noch mal im Normvertrag?

§ 3 Verlagspflicht
1. …
2. Der Verlag ist verpflichtet, das Werk in der in Absatz 1 genannten Form zu vervielfältigen, zu verbreiten und dafür angemessen zu werben.
3. Ausstattung, Buchumschlag, Auflagenhöhe, Auslieferungstermin, Ladenpreis und Werbemaßnahmen werden vom Verlag nach pflichtgemäßem Ermessen unter Berücksichtigung des Vertragszwecks sowie der im Verlagsbuchhandel für Ausgaben dieser Art herrschenden Übung bestimmt.

(Hervorhebung von mir)

Laut Normvertrag verpflichtet sich der Verlag also, für das Werk zu werben. Und zwar angemessen. Aber was bedeutet das nun wieder? Angemessen? Tja, blöd, das ist nun mal Auslegungssache. Immerhin garantiert der Verlag, zu werben. Und er tut es auch. Indem er nämlich jedem im Verlag erscheinenden Werk eine Grundversorgung an Marketing zukommen lässt. Dazu gehören schon, wie man in Punkt 3 sehen kann, Ausstattung, Cover, Klappentext usw. Außerdem werden Pressetexte verfasst und das Werk auf der Homepage sowie im Katalog präsentiert, der wiederum von Verlagsvertretern den Buchhändlern vorgestellt wird, wenigstens aber an alle Buchhandlungen versendet wird. Voilà, Marketing!

Nicht viel, oder? Stimmt. Allerdings kommt das auch auf die Perspektive an. Der Verlagsautor, der sehen muss, was in seinem Verlag für manchen Kollegen getan wird, während er das Gefühl hat, vollkommen leer auszugehen, wird damit eher unzufrieden sein. Dennoch stellt gerade die Sichtbarkeit im Katalog für den gesamten stationären Buchhandel ein Marketinginstrument dar, das für den Selfpublisher praktisch unerreichbar ist. Dementsprechend ärgern sich Verlagsautoren im Printbereich in aller Regel auch über Verkaufszahlen, die den Selfpublisher bereits mehr als glücklich machen würden. Der kann sich dann unter Umständen (und wenigstens zur Zeit noch) eben vor allem über die Möglichkeiten freuen, die das E-Book ihm bietet.

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Achtung: Da ich kein Jurist bin, könnt ihr euch im Zweifelsfall weder auf mich noch meine Angaben berufen.

Der Begreifler über Lektoratsdurchgänge

Der Begreifler, Foto: Stocksnapper

© Stocksnapper

Ein Autor, der in einem Publikumsverlag publiziert, kommt automatisch in den Genuss eines Lektorats. Ein solches kann sehr unterschiedlich ablaufen, was nicht zuletzt davon abhängig ist, wie oft bzw. regelmäßig Autor und Lektor zusammenarbeiten, wie gut sie also aufeinander eingespielt sind, und wie groß das Vertrauensverhältnis ist. Manche Autoren ziehen beispielsweise den Lektor schon zu Rate, wenn sie sich noch im Schreibprozess oder gar noch in der Planungsphase befinden. Doch selbst diejenigen, die ihrem Lektor erst das fertige Manuskript zukommen lassen, können sich anschließend auf einen (mehr oder weniger) regen Austausch einstellen. Der Lektor macht Anmerkungen und Korrekturen, die der Autor anschließend prüfen, einpflegen und eventuell mit dem Lektor diskutieren muss. Der Autor schickt den überarbeiteten Text zurück, der Lektor redigiert erneut. Das letzte Verb deutet es schon an, man spricht bei solchem Vorgehen auch von Textredaktion, der Text wird so lange vom redigierenden Lektor (manchmal kommen auch mehrere zum Einsatz) betreut, bis (abgesehen vom Schlusskorrektorat) die Endfassung erreicht ist.

Autoren, die darauf angewiesen sind, selbst eine Lektoratsdienstleistung in Auftrag zu geben, können Ähnliches bekommen, sich also für eine Textredaktion entscheiden. Häufig wird eine solche Dienstleistung auch als Manuskript- oder Projektbetreuung angeboten oder fällt mit unter den Begriff des Coachings.

Klassischerweise geben Autoren aber eine einfache Lektoratsdienstleistung in Auftrag, was letztlich bedeutet, dass sie genau einen Lektoratsdurchgang erwarten können. Sie schicken ihr Manuskript an den Lektor, der dann versuchen wird (sofern ein entsprechend umfassendes Lektorat bestellt wurde), in einem Durchgang nicht nur einen möglichst hohen Prozentsatz aller Schwächen des Textes zu erkennen (und zu analysieren), sondern sie auch so knapp, aber gleichzeitig verständlich wie möglich anzumerken bzw. simple Lösungsvorschläge zu bieten. Je nachdem, wie grundlegend die Schwächen ausfallen, sind seine Möglichkeiten entsprechend begrenzt. Den auf diese Weise lektorierten Text wird der Autor (sofern es nicht anders vereinbart wurde) nun anhand der Anmerkungen und Änderungsvorschläge des Lektors selbstständig überarbeiten, nicht zuletzt deswegen, weil es ja sein Text ist, und er selbst bei der kleinsten Änderung das letzte Wort hat. Und das hat er tatsächlich, denn wollte er seine überarbeitete Version nun noch einmal durchchecken lassen, wäre das schon Lektoratsdurchgang Nummer zwei, der extra berechnet werden müsste. Allerdings dürfte er auch in den meisten Fällen empfehlenswert sein, weshalb man sich im Vorhinein gründlich überlegen sollte, ob man mit einer Textredaktion vielleicht besser beraten wäre.

Der Begreifler über Protagonisten

Der Begreifler, Foto: Stocksnapper

© Stocksnapper

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird gern mal von den Protagonisten einer Geschichte, eines Films oder einer Serie gesprochen. Das kann und wird wahrscheinlich dazu führen, dass der Begriff langfristig diese Bedeutungserweiterung erhält. Was wiederum dazu führen könnte, dass man zukünftig, um eindeutig zu sein, vom Hauptprotagonisten sprechen muss. Streng genommen steckt diese Bedeutung allerdings schon im Begriff Protagonist, was griechisch ist und “Ersthandelnder, Haupthandelnder” bedeutet.

Der (eine) Protagonist einer Geschichte (zumindest aber eines Handlungsstrangs dieser Geschichte, da mag man sich streiten) ist also derjenige, dessen Geschichte erzählt wird. Der Konflikt, von dem die Geschichte hauptsächlich handelt, ist der seinige. Und natürlich ist es der Protagonist, dem es zukommt, diesen Konflikt zu lösen. Er treibt die Handlung voran und steht im Mittelpunkt des (Leser-) Interesses. Unter den Hauptfiguren ist er die wichtigste, sozusagen die Haupthauptfigur. Es wäre also eigentlich wünschenswert, müssten wir dem Protagonisten in Zukunft kein drittes Haupt voranstellen.

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