Angst vorm Lektor?

Lektoratspraxis, Foto: Dmitriy Shironosov

© Dmitriy Shironosov

Wer noch darüber nachdenkt, ob ein Lektor dem eigenen Text wirklich gut tut, dem sei hiermit versichert: Es mag andere gute Gründe geben, Lektoren aus dem Weg zu gehen, Angst um den eigenen Text gehört mit Sicherheit nicht dazu.

Denn dein Text ist deiner und bleibt es auch. Keine, wirklich überhaupt keine der Änderungen, die ein Lektor vornimmt oder vorschlägt, zwingt den Autor dazu, sie zu übernehmen. Wenn er es will, kann er den Text ins Lektorat geben, die Rechnung bezahlen und doch alles so lassen, wie es ist.

Geschnuppert und gewürzt

Für Autoren, Foto: Milan Vasicek

© Milan Vasicek

Nun ist sie erschienen, die neue Ausgabe der Federwelt (beim Erstellen dieses Blogeintrags war auf der Webseite noch die Ausgabe Februar/März zu sehen) mit dem zweiten Teil der Reihe “Textküche“:

Zwei Schreibprofis, in jeder Folge zwei andere, kommentieren Texte, die noch nicht ganz rund sind. Lektoratsarbeit also auf dem Präsentierteller – ein besonderes Schmankerl für alle, die Buchstaben lieben.

Diesmal wurden André Hille und ich von Küchenchefin Anke Gasch zum Thema “Erzähl(er)stimmen finden”  eingeladen, durften ein bisschen schnuppern und das eine oder andere Gewürz verstreuen.

Autor? Ab in die Küche!

Für Autoren, Foto: Milan Vasicek

© Milan Vasicek

Die Federwelt gehört mit Sicherheit ohnehin zu den empfehlenswerten Zeitschriften für Autoren. Mit der aktuellen Ausgabe (Februar/März) startet obendrein eine neue und ganz besondere Reihe: die Textküche.

Zwei Schreibprofis, in jeder Folge zwei andere, kommentieren Texte, die noch nicht ganz rund sind. Lektoratsarbeit also auf dem Präsentierteller – ein besonderes Schmankerl für alle, die Buchstaben lieben.

In Folge 1 hat Küchenchefin Anke Gasch zum Thema “Anschaulich schreiben” Astrid Rösel und Diana Hillebrand eingeladen. Jede zeigt auf ihre Weise am praktischen Beispiel, wie man seinen Text noch anschaulicher gestalten kann.

Anke Gasch, die jeweils die Grundrezepte (die Theorie) beisteuert, lädt in jeder Folge neue Gastköche ein, die sich immer mit anderen Aspekten der guten Zubereitung beschäftigen. Verraten darf ich schon einmal, dass im Aprilheft André Hille und meine Wenigkeit in den Töpfen rühren werden.

Hier geht es aber erst einmal zur aktuellen Ausgabe.

Keine Angst vorm Lektor, Mann!

Autoren aufgepasst!!!

Wer sich bisher unsicher war, ob ein Lektor ihm bei der Arbeit an seinem Manuskript weiterhelfen kann, oder wer sich ein bisschen Sorgen wegen des Verlagslektorats macht, den wird das folgende Video sicher beruhigen. Ich bin froh, dass ich es über das Montsegúrforum entdecken durfte.

Freie Kapazitäten

Nachdem ich eine ganze Weile keine (größeren) Lektoratsaufträge mehr annehmen konnte, sieht es jetzt wieder etwas besser aus. Das hängt einerseits mit Umschichtungen und den verstrichenen (eingehaltenen) Abgabeterminen meinerseits zusammen, andererseits mit der Sommerpause eines Partnerverlags.

Im Moment gibt es also keine Warteliste. Wer sich genauer über die Bedingungen informieren möchte, findet sie hier.

Brauche ich einen Lektor?

Wozu überhaupt einen Lektor, mag sich manch angehender Autor fragen. Und die Frage stellt er auch völlig zu Recht.
Es gibt eigentlich kaum einen Fall, in dem man jemandem, der literarische Texte schreibt, zu einem Lektor raten könnte, den er selbst beauftragen und bezahlen müsste.
Zunächst sollte Voraussetzung sein, dass man sein Werk überhaupt veröffentlichen möchte. Wer aus fester Überzeugung nur für sich selbst schreibt, braucht niemandem, der das Geschriebene für viel Geld für andere lesbarer macht (obwohl der Verdacht nicht ganz auszuräumen ist, dass auch ein solcher Schreiber eine Veröffentlichungsmöglichkeit nicht ausschlagen würde). Auch wer wenigstens Familie, Freunde und Bekannte als eine zusätzliche Zielgruppe erwägt, sollte zumindest lange darüber nachdenken, ob sich dafür die Ausgaben lohnen.

Gehen wir also von einem der vielen Autoren aus, die sich in den Kopf gesetzt haben, ihr fertiges Werk von einem Verlag verlegen zu lassen. Die könnten doch vielleicht einen Lektor gut gebrauchen. Richtig. Und zwar alle durch die Bank weg! Egal, ob sie an ihrem allerersten Roman sitzen oder sich erst mit ihrem siebten Werk an die Öffentlichkeit trauen wollen, ob sie Gedichte, Kurzgeschichten oder Drehbücher schreiben. Leider wird nur ein relativ geringer Teil dieser Autoren je erreichen, dass sich ein Lektor intensiv mit ihren Texten auseinandersetzt. Denn auf dem normalen Weg zur Veröffentlichung liegt die Hürde des Verlags- oder Agentuvertrags vor dem Lektorat, das dann von Verlag oder Agentur in Auftrag gegeben und bezahlt wird. Der Autor braucht sich darum also nicht selbst zu kümmern.

Bleiben die Fälle, die mit ihrem Manuskript keinen Verlag, wohlgemerkt keinen seriösen, und ebensowenig eine (ebenfalls seriöse) Agentur überzeugen können. Bliebe denen nicht die Möglichkeit, ihr Manuskript mit Hilfe eines Lektors “verlagsreif” zu machen? Ja und nein.
Wer langfristig ernsthaft veröffentlichen will, dem sollte es nicht genügen, das eine Manuskript irgendwie noch unterzubringen. Er sollte den Anspruch entwickeln, aus eigener Kraft, zumindest aber ohne zu bezahlende Dienstleister Manuskripte herstellen zu können, die Verlage oder Agenturen überzeugen können. Dazu gilt es am grundsätzlichen Schreibhandwerk zu arbeiten. Nicht zuletzt, weil niemand gern in eine Eintagsfliege investiert.
Dienlich wäre hier also weniger das Ziel, jemanden zu finden, der um des Manuskriptes Willen Hilfe leistet, sondern jemanden, der helfen kann, das Schreiben an sich zu verbessern. Derartige Hilfe braucht mehr Zeit, ist aber nachhaltiger. Zu finden ist sie in Schreibratgebern, Schreibkursen, Schreibforen und natürlich, indem man anderen Autoren lesend über die Schulter schaut. Wer es sich in diesem Sinne leisten kann und will, dem sei dann gesagt, dass man von einem ordentlichen Lektorat eine ganze Menge lernen kann.

Und dann sind da natürlich noch die immer rasanter wachsenden Möglichkeiten, sein Manuskript auch außerhalb des klassischen Literaturbetriebs zu veröffentlichen, sei es im Eigenverlag, über Dienstleister oder auf entsprechenden Literaturplattformen im Internet.
Was man im Einzelnen von diesen Möglichkeiten halten soll, soll hier und heute nicht Thema sein. Nur so viel:
1. In der Regel sind diese Möglichkeiten weder sehr erfolversprechend noch echte Alternativen zum klassischen Publikumsverlag. Und sie sind auch nur in den seltensten Fällen als vielversprechender Umweg dorthin anzusehen.
2. Hände weg von angeblichen Verlagen (sog. Druckkostenzuschussverlage, DKZV), die vom Autor eine Beteiligung an den Kosten der Veröffentlichung fordern (was viele inzwischen auf verschleierten Wegen tun). Es ist in Ordnung, wenn ein Dienstleister sich seine (unverschleierte) Dienstleistung bezahlen lässt. Ein Verlag, der sich vom Autor letztlich oft ein Vielfaches der erbrachten Veröffentlichungsleistung bezahlen lässt, verdient am Autor, nicht am Verkauf von Büchern. Also, vorher sehr genau informieren, z.B. hier.

Jedenfalls ist bei derartigen “Alternativveröffentlichungen” natürlich der Lektor nicht mit inbegriffen. Was den Text nicht veröffentlichungsreifer macht. Und den Leser nicht unbedingt unkritischer.
Heißt also: Im Allgemeinen würde ich gar nicht erst zu einer solchen Veröffentlichung raten, sofern man wirklich Öffentlichkeit zum Ziel hat. In Einzelfällen mag das durchaus anders sein.
Hat man sich aber dafür entschieden, sollte man sich bewusst machen, dass auch die Texte erfolgreicher Autoren nicht nur so zum Spaß ein Lektorat passieren müssen, und darüber nachdenken, ob man seinem Text auf dem Weg zur ohnehin selbstfinanzierten Veröffentlichung nicht noch ein Lektorat spendieren kann. Der Leser wird es danken.

Was tut denn nun ein Lektor?

Ganz einfach: irgendwas mit Texten.
Was genau, das hängt nicht ganz unwesentlich davon ab, für wen er arbeitet bzw. ob er überhaupt für jemanden arbeitet.

Die klassischen Lektoratstätigkeiten haben alle mit dem Verbessern der Texte anderer Leute zu tun. Dabei ist es unwichtig, ob es um eine Studienarbeit, einen Fach- oder Werbetext oder einen Roman geht.
Korrigiert der Lektor nur fehlerhafte Rechtschreibung und Grammatik, handelt es sich bei seinem Lektorat eigentlich um ein Korrektorat. Häufig ist das Korrektorat vom eigentlichen Lektorat getrennt und wird dementsprechend gesondert von einem Korrektor übernommen.
Kommen Verbesserungen oder Hinweise bezüglich des Stils, des Aufbaus und des Inhalts hinzu, sprechen wir vom eigentlichen Lektorat. Häufig zählt auch die formale Aufbereitung des Manuskripts dazu.
Betreut der Lektor den Text von seiner Entstehung bis hin zur Veröffentlichung oder zumindest auf einem größeren Teil dieses Weges, nennt man das Manuskriptbetreuung oder auch Coaching. In solch beratender Funktion kann ein Lektor einen Autor natürlich auch bei mehreren Projekten coachen. So unterscheidet man zwischen Projekt- und Autorenbetreuung.

Freie Lektoren werden in der Regel hauptsächlich für derartige Aufträge gebucht. Bei Verlagsaufträgen kommen jedoch häufig auch die zusätzlichen Betätigungsfelder des Verlagslektors hinzu.
Diejenigen, die fest angestellt sind, übernehmen je nach Arbeitgeber meist noch weitere Aufgaben.
In Verlagen ist es heute üblich, dass Lektoren weite Betätigungsfelder übernehmen und so nicht selten die reine Textarbeit in den Hintergurnd rückt. Sie entwickeln Buchprojekte, betreuen Autoren, übernehemen Rechte- und Lizenzverhandlungen und sind wesentlich mitverantwortlich für die Begutachtung und Auswahl der Manuskripte.

Besondere Anforderungen an den Lektor stellen das Wissenschafts- und das Werbelektorat.

Und auch das Heer der Ghostwriter rekrutiert sich zu einem guten Teil aus Lektoren.

Wer sich noch genauer über die Arbeit des Lektors informieren will, kann das unter anderem auf der Webseite des Verbands der Freien Lektorinnen und Lektoren e. V.

Wie wird man eigentlich Lektor?

Im Prinzip ist das nicht schwieriger, als Autor zu werden. Man geht herum und erzählt es jedem. Kommt man dabei zufällig beim Finanzamt vorbei, erzählt man es dort auch, meldet sich als Freiberufler an und bekommt eine Steuernummer.

Was sagt uns das? Um Lektor zu werden braucht es keine Ausbildung. Die gibt es in diesem Sinne auch gar nicht. Und die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt.

Will man nun mehr, als nur mit diesem schmucken Titel herumlaufen, muss man als nächstes andere davon überzeugen, dass hinter dem Titel mehr steckt, dass man ihn auch verdient. Genau genommen hat man es als angehender Lektor da noch leichter als der Autor. Der muss immerhin mal einen Text verfassen, besser noch, ihn auch veröffentlichen.

Ist man gewitzt und vor allem dreist genug, schaut sich ein bisschen in einschlägigen Foren im Internet um, stehen die Chancen als noch unbeleckter Lektor gar nicht schlecht, jemanden von seinen Fähigkeiten zu überzeugen und einen ersten Job an Land zu ziehen, ganz allein durch rhetorische Überredungskünste. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird es für denjenigen, der möglicherweise längerfristig als Lektor Geld verdienen möchte, allerdings wichtig, wenigstens ein bisschen sprachliche und literarische Kompetenz aufzuweisen. Je mehr, desto besser.

Wie und wo er sich die erworben hat, ist eigentlich egal. Allerdings führt das Fehlen einer direkten Lektorenausbildung eben gerade dazu, dass Referenzen sehr gefragt sind. Da der Neuling die schwerlich bereits haben kann, macht es sich zumindest gut, wenn er die Liste mit einem Studium der Sprach- und / oder Literaturwissenschaft beginnen kann. Natürlich helfen auch andere Tätigkeiten, die eine Kompetenz im Umgang mit Texten nahelegen.

Und obwohl es gar nicht unbedingt gegeben ist, dass ein Autor auch gut lektorieren kann (wie es auch Lektoren gibt, die bei eigenen Texten eher untalentiert sind), trägt auch eine Veröffentlichungsliste zur Referenz bei.

Was man als Lektor im Einzelnen alles können sollte und womit man sich eigentlich beschäftigt, wird das Thema meines nächsten Beitrags.

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